Was sind MEV-Bots und wie funktionieren sie?

Was sind MEV-Bots und wie funktionieren sie?

Was ist ein MEV-Bot?

Ein MEV-Bot ist eine automatisierte Software, die nach Möglichkeiten sucht, Wert aus der Art und Weise zu ziehen, wie Blockchain-Transaktionen verarbeitet werden.

MEV steht für maximal extractable value. MEV kann entstehen, weil es finanziell einen Unterschied macht, welche Transaktionen in einen Block aufgenommen werden und in welcher Reihenfolge sie ausgeführt werden.

Die Person oder Organisation hinter einem MEV-Bot wird meist als Searcher bezeichnet. Ein Searcher entwickelt eine Strategie und nutzt Software, um sie automatisch auszuführen. Der Bot kann zum Beispiel Preise auf verschiedenen DEXs vergleichen, Kreditpositionen beobachten oder Transaktionen analysieren, die noch nicht verarbeitet wurden.

Ein MEV-Bot entscheidet nicht selbst, welche Transaktionen am Ende in einen Block kommen. Der Bot versucht, eine Chance zu finden, und sendet anschließend eine oder mehrere Transaktionen an das Netzwerk oder an spezialisierte Infrastruktur, die an der Zusammenstellung von Blöcken beteiligt ist.


Wichtigste Erkenntnisse

  • Ein MEV-Bot ist Software, mit der Searcher automatisch nach MEV-Chancen suchen.
  • Bots analysieren unter anderem Preise, Blockchain-Daten und manchmal Transaktionen, die noch auf Verarbeitung warten.
  • Sie berechnen, ob eine Strategie nach Kosten noch profitabel sein kann.
  • Ein Bot bestimmt nicht selbst die endgültige Reihenfolge von Transaktionen in einem Block.
  • Arbitrage-, Sandwich-, Frontrunning- und Liquidationsbots sind bekannte Beispiele.

Wie funktionieren MEV-Bots?

MEV-Bots verfolgen fortlaufend Daten von Blockchains und Kryptomärkten. Welche Informationen ein Bot nutzt, hängt von der Strategie ab.

Ein Arbitrage-Bot kann zum Beispiel Preise desselben Tokens auf verschiedenen DEXs vergleichen. Ein Liquidations-Bot verfolgt dagegen Kredite innerhalb von DeFi-Protokollen und prüft, wann eine Position nach den Regeln des Protokolls liquidierbar wird.

Bots können auch die öffentliche Mempool beobachten. Das ist auf Blockchains, die so eine öffentliche Mempool nutzen, eine Art Warteschlange für Transaktionen, die bereits gesendet wurden, aber noch nicht in einem Block enthalten sind. Dadurch kann ein Bot manchmal sehen, welche Transaktionen anstehen, bevor sie tatsächlich ausgeführt werden.

Wenn ein Bot eine mögliche Chance findet, berechnet er, ob sie ausreichend profitabel ist. Dabei schaut die Software nicht nur auf den möglichen Preisunterschied, sondern zum Beispiel auch auf:

  • Transaktionskosten;
  • verfügbare Liquidität;
  • Preiswirkung;
  • Konkurrenz durch andere Bots;
  • die Wahrscheinlichkeit, dass die Transaktion tatsächlich ausgeführt wird.

Bei manchen Strategien, etwa bei Arbitrage, können mehrere Schritte atomar ausgeführt werden. Atomar bedeutet, dass alle Schritte gemeinsam erfolgreich sind oder dass die gesamte Transaktion zurückgesetzt wird. So kann ein Bot zum Beispiel verhindern, dass er zwar einen Token kauft, die geplante spätere Verkaufsorder aber nicht mehr ausführen kann.

Anschließend sendet der Bot seine Transaktion. Searcher können dabei je nach Netzwerk die öffentliche Mempool oder private Infrastruktur nutzen.

Auf Ethereum können Searcher zum Beispiel Transaktionen oder Bundles an spezialisierte Builder übergeben. Ein Bundle ist ein Paket von Transaktionen, die der Searcher in einer bestimmten Reihenfolge ausgeführt haben möchte. Ein Builder kann solche Transaktionen dann beim Zusammenstellen eines Kandidaten-Blocks berücksichtigen.

MEV-Bots konkurrieren oft miteinander. Wenn mehrere Bots dieselbe Chance entdecken, versuchen sie alle, ihre Transaktion rechtzeitig ausführen zu lassen. Deshalb sind Geschwindigkeit, technische Infrastruktur und Kosten wichtige Bestandteile professioneller MEV-Strategien.

Welche Arten von MEV-Bots gibt es?

MEV-Bots können verschiedene Strategien ausführen. Die Kategorien unten sind keine offizielle oder vollständige Einteilung. Ein Searcher kann außerdem mehrere Strategien mit derselben Infrastruktur umsetzen.

Arbitragebots

Arbitragebots suchen nach Preisunterschieden für denselben Token auf verschiedenen DEXs oder in verschiedenen Liquiditätspools.

Wenn ein Bot sieht, dass ein Token irgendwo günstiger gekauft werden kann, als er anderswo verkauft werden kann, berechnet er, ob der Preisunterschied groß genug ist, um nach Transaktionskosten noch Gewinn zu lassen. Ist das der Fall, kann er versuchen, beide Transaktionen automatisch auszuführen.

Arbitragebots können dazu beitragen, Preisunterschiede zwischen verschiedenen Handelsplattformen zu verringern.

Sandwichbots

Sandwichbots versuchen, von der Preiswirkung des Swaps eines anderen Nutzers zu profitieren.

Dafür versucht der Bot, eine eigene Transaktion vor dem Swap des Ziels und eine zweite Transaktion danach ausführen zu lassen. Der ursprüngliche Swap liegt dadurch gewissermaßen zwischen den beiden Transaktionen des Bots.

Für den betroffenen Nutzer kann das zu zusätzlichem Slippage und einem schlechteren Ausführungspreis führen.

Frontrunningbots

Frontrunningbots versuchen, eine relevante Transaktion zu erkennen und dann selbst früher eine Transaktion ausführen zu lassen.

Ein Bot kann zum Beispiel eine Strategie in einer Transaktion erkennen, die in einer öffentlichen Mempool sichtbar ist. Anschließend kann der Bot selbst eine ähnliche Transaktion erstellen und versuchen, sie früher ausführen zu lassen.

Das klappt nicht automatisch. Welche Transaktion am Ende Vorrang bekommt, hängt unter anderem vom Netzwerk, dem verwendeten Transaktionsweg und der Art und Weise ab, wie der Block zusammengestellt wird.

Mehr zu dieser Strategie liest du in unserem Artikel über Frontrunning.

Liquidationsbots

Liquidationsbots überwachen Kreditpositionen innerhalb von DeFi-Protokollen.

Bei DeFi-Krediten wird meist Krypto als Sicherheit hinterlegt. Sinkt der Wert dieser Sicherheit zu stark, kann eine Position nach den Regeln des Protokolls liquidierbar werden.

Ein Liquidationsbot versucht, so eine Situation so schnell wie möglich zu erkennen und eine gültige Liquidationstransaktion einzureichen. Der Liquidator erhält dafür bei vielen Protokollen eine Gebühr oder einen Bonus.

Liquidationsbots verursachen die schlechte Position also nicht selbst. Sie führen eine Funktion aus, die im Protokoll eingebaut ist, und können damit helfen, dass unzureichend besicherte Kredite nicht bestehen bleiben.

Auf welchen Blockchains werden MEV-Bots genutzt?

MEV-Bots kommen vor allem auf Blockchains mit Smart Contracts, DeFi-Protokollen und aktivem On-Chain-Handel vor.

Ethereum ist das bekannteste Beispiel. Dort suchen Bots unter anderem nach Arbitragechancen, Liquidationen und Transaktionen, auf die andere MEV-Strategien angewendet werden können.

Auch auf BNB Smart Chain werden MEV-Strategien eingesetzt. Searcher können dort Infrastruktur nutzen, in der Transaktionen und Bundles an Builder übergeben werden.

Auf Solana gibt es ebenfalls spezialisierte Infrastruktur für MEV. Searcher können dort zum Beispiel Bundles einreichen, die dann um die Ausführung konkurrieren können.

Die genaue Funktionsweise unterscheidet sich je nach Blockchain. Nicht jedes Netzwerk nutzt eine öffentliche Mempool, dieselben Transaktionskosten oder dieselbe Aufgabenteilung zwischen Searchern, Validatoren und den Parteien, die Blöcke zusammenstellen. Ein MEV-Bot, der für Ethereum gebaut wurde, funktioniert deshalb nicht automatisch auf dieselbe Weise auf Solana oder einer anderen Blockchain.

Was ist der Unterschied zwischen einem MEV-Bot und einem Searcher?

Ein MEV-Bot und ein Searcher sind nicht dasselbe.

  • MEV-Bot: die Software, die Daten analysiert und automatisch Transaktionen senden kann.
  • Searcher: die Person, Organisation oder Marktpartei, die nach MEV-Chancen sucht und dafür einen oder mehrere Bots nutzen kann.

Außerdem können bei der Verarbeitung dieser Transaktionen andere Parteien beteiligt sein.

Ein Builder sammelt Transaktionen und kann damit einen Kandidaten-Block zusammenstellen. Ein Validator hilft dabei, eine Proof-of-Stake-Blockchain zu sichern und kann, wenn er dafür ausgewählt wird, einen neuen Block vorschlagen.

Ein Bot kann also eine profitable Chance entdecken und eine Transaktion senden, aber das bedeutet noch nicht, dass der Bot selbst bestimmt, wo diese Transaktion am Ende im Block landet.

Sind MEV-Bots gut oder schlecht?

MEV-Bots sind nicht automatisch gut oder schlecht. Es hängt vor allem von der Strategie ab, für die sie eingesetzt werden.

Arbitragebots können zum Beispiel Preisunterschiede zwischen DEXs verringern. Dadurch gleichen sich Preise auf verschiedenen Märkten schneller an.

Auch Liquidationsbots haben eine Funktion innerhalb von DeFi. Sie helfen Kreditprotokollen dabei, Positionen abzuwickeln, deren Sicherheit nicht mehr ausreicht.

Andere Strategien können für einzelne Nutzer dagegen nachteilig sein. Ein Sandwichbot kann zum Beispiel vom Swap eines anderen Traders profitieren, wodurch dieser Trader einen schlechteren Ausführungspreis erhält.

Der Wettbewerb zwischen MEV-Bots kann außerdem groß sein. Professionelle Searcher investieren deshalb in schnelle Infrastruktur und spezialisierte Software, um Chancen früher zu erkennen und auszuführen als die Konkurrenz.

Die Wirkung eines MEV-Bots lässt sich deshalb am besten danach beurteilen, was der Bot tatsächlich tut, statt alle MEV-Bots als eine einzige Art von Aktivität zu sehen.

Fazit

MEV-Bots sind automatisierte Programme, mit denen Searcher versuchen, Chancen rund um Blockchain-Transaktionen zu finden und auszuführen.

Sie können zum Beispiel Preise vergleichen, Kreditpositionen beobachten oder Transaktionen analysieren, die noch verarbeitet werden müssen. Sobald ein Bot eine Chance sieht, berechnet er, ob sie nach Kosten profitabel sein kann, und versucht, die nötigen Transaktionen auszuführen.

Nicht jeder MEV-Bot hat dieselbe Wirkung. Arbitrage- und Liquidationsbots können nützliche Funktionen innerhalb von DeFi erfüllen, während Strategien wie Sandwiching einzelne Nutzer eher benachteiligen können.

Ein MEV-Bot ist am Ende nur das technische Werkzeug. Die Strategie des Searchers hinter dem Bot bestimmt, wie diese Software eingesetzt wird und welche Folgen das für andere Nutzer des Netzwerks hat.

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