Was ist Over-the-Counter-Trading (OTC)?

Was ist Over-the-Counter-Trading (OTC)?

Was ist OTC-Trading?

OTC-Trading steht für Over-the-Counter-Trading und bezeichnet den Handel mit finanziellen Assets außerhalb einer regulierten Börse. Anstatt über eine zentrale Exchange mit einem öffentlichen Orderbuch zu handeln, werden Transaktionen direkt zwischen Käufern und Verkäufern ausgeführt, oft mithilfe eines Brokers oder eines spezialisierten OTC-Desks. Das ist vollkommen legal und wird häufig bei größeren Beträgen genutzt.

Beim OTC-Trading erscheinen Orders nicht sichtbar im Orderbuch. Preis, Volumen und Timing bleiben privat zwischen den beteiligten Parteien. Das macht diese Handelsform besonders geeignet für große Transaktionen, bei denen Diskretion und Preisstabilität wichtig sind.

Kurz gesagt: OTC-Trading ist dafür gedacht, große Orders mit minimalem Markteinfluss, mehr Privatsphäre und persönlicher Betreuung auszuführen.


Wichtigste Erkenntnisse

  • OTC-Trading (Over-the-Counter-Trading) bezeichnet den Handel mit Krypto und anderen finanziellen Assets außerhalb einer öffentlichen Exchange, wobei Preis, Volumen und Timing privat zwischen den beteiligten Parteien bleiben.
  • Es wird vor allem für große Transaktionen genutzt (meist ab 50.000€ bis 100.000€), da diese über ein reguläres Orderbuch den Marktpreis durch Slippage und begrenzte Liquidität beeinflussen können.
  • Beim OTC-Trading wird im Voraus ein fester Preis vereinbart, sodass große Orders ohne direkten Preiseinfluss, Kursschwankungen oder Sichtbarkeit für andere Trader ausgeführt werden.
  • OTC-Desks bieten Zugang zu tiefer Liquidität und persönlicher Betreuung, indem sie Preise über mehrere Liquiditätsquellen vergleichen und die Transaktion aktiv begleiten.
  • Obwohl OTC-Trading eine höhere sichtbare Gebühr haben kann, fallen die Gesamtkosten bei großen Volumina oft niedriger aus als auf einer Exchange, da Slippage und Markteinfluss vermieden werden.

Welche Produkte werden OTC gehandelt?

Der OTC-Markt ist breit aufgestellt und existiert seit Jahrzehnten. Viele Finanzprodukte werden (teilweise) außerhalb von Börsen oder Brokern gehandelt:

  • Kryptowährungen

Im Kryptobereich wird OTC-Trading vor allem für große Transaktionen genutzt. Bei höheren Volumina bieten viele Broker und Exchanges spezielle OTC-Desks an, über die Swaps und Trades außerhalb des regulären Orderbuchs stattfinden. Wenn du planst, eine große Transaktion über Finst (100.000€+) durchzuführen, kannst du bei Bedarf Kontakt mit uns aufnehmen, um persönliche Betreuung zu erhalten.

  • Anleihen

Viele Anleihen, insbesondere von kleineren Emittenten oder ohne standardisiertes Kreditrating, werden OTC gehandelt. Das gilt auch für maßgeschneiderte Anleihen.

  • Währungen (Forex)

Dieser Markt ist das größte OTC-Segment weltweit. Der Devisenhandel erfolgt über ein globales Netzwerk von Banken und Finanzinstituten, wodurch ein Handel rund um die Uhr möglich ist.

  • Aktien

Vor allem Aktien von Unternehmen, die (noch) nicht die Zulassungsvoraussetzungen großer Börsen erfüllen. Auch ausländische Aktien werden teilweise OTC über sogenannte ADRs (American Depositary Receipts) gehandelt.

  • Derivate

Viele Derivate wie Forwards, Swaps und bestimmte Optionen werden OTC abgeschlossen. Das ermöglicht maßgeschneiderte Lösungen, bringt aber auch ein höheres Gegenparteirisiko mit sich.

Was ist der Unterschied zwischen OTC-Trading und regulärem Exchange-Trading?

Der wichtigste Unterschied liegt darin, wo und wie der Handel stattfindet. Viele größere Krypto-Exchanges oder Aktienbörsen verfügen über einen eigenen OTC-Desk, über den solche Trades abgewickelt werden können. Im Folgenden erklären wir den Unterschied.

Reguläres Exchange- oder Broker-Trading

Auf einer Exchange werden alle Kauf- und Verkaufsorders in ein öffentliches Orderbuch eingestellt. Jeder kann sehen, zu welchem Preis und in welcher Menge Assets angeboten werden. Der Preis entsteht durch sichtbares Angebot und Nachfrage. Das sorgt für Transparenz, hat aber auch einen Nachteil: große Orders können den Marktpreis direkt beeinflussen.

OTC-Trading

Beim OTC-Trading findet die Transaktion außerhalb der Exchange statt, meist über einen Broker oder OTC-Desk. Zwei Parteien vereinbaren Preis und Menge direkt miteinander, ohne dass der Markt davon unmittelbar Kenntnis erhält.

Der Vorteil ist, dass große Orders keine sofortigen Preisbewegungen verursachen. Dadurch können größere Volumina ohne Slippage oder ungünstige Kursschwankungen gehandelt werden.

Warum können große Orders auf einer Exchange den Preis beeinflussen?

Auf einer regulären Exchange wird der Preis einer Kryptowährung durch sichtbares Angebot und Nachfrage im Orderbuch bestimmt. In diesem Orderbuch stehen alle Kauf- und Verkaufsorders anderer Teilnehmer, sortiert nach Preis. Der aktuelle Marktpreis entsteht dort, wo Käufer und Verkäufer aufeinandertreffen.

Dieses System sorgt für Transparenz, hat aber auch einen entscheidenden Nachteil: große Orders können den Marktpreis direkt beeinflussen.

Wie funktioniert die Preisbildung auf einer Exchange?

  • Käufer platzieren Gebote (Buy Orders) zu einem bestimmten Preis
  • Verkäufer platzieren Angebote (Sell Orders) zu einem bestimmten Preis
  • Der Preis bewegt sich auf Basis der ausgeführten Orders

Da das Orderbuch öffentlich ist, kann jeder sehen, wie viel Liquidität auf jedem Preisniveau verfügbar ist. Das bedeutet auch, dass die verfügbare Liquidität pro Preis begrenzt ist.

Was passiert bei einer großen Kauforder?

Im Folgenden geben wir eine vereinfachte Erklärung dafür, wie ein Orderbuch funktioniert und warum das den Kurs beeinflussen kann. Angenommen, der Bitcoin-Preis liegt bei 40.000€ und das Orderbuch sieht wie folgt aus:

  • 40.000€ → 0,5 BTC zum Verkauf
  • 40.100€ → 0,7 BTC zum Verkauf
  • 40.300€ → 1 BTC zum Verkauf

Wenn du 2 Bitcoin auf einmal kaufen möchtest, kann diese Order nicht vollständig zu einem einzigen Preis ausgeführt werden. Stattdessen passiert automatisch Folgendes:

  • Zuerst kaufst du 0,5 BTC zu 40.000€
  • Danach 0,7 BTC zu 40.100€
  • Der verbleibende Teil wird zu 40.300€ gekauft

Deine Order „frisst“ gewissermaßen mehrere Ebenen des Orderbuchs. Dadurch liegt der durchschnittliche Kaufpreis höher als der ursprüngliche Marktpreis, und der sichtbare Preis auf der Exchange verschiebt sich nach oben.

Dieser Effekt wird als Slippage bezeichnet: der Unterschied zwischen dem erwarteten Preis und dem endgültigen Ausführungspreis.

Zusätzlicher Markteinfluss durch Sichtbarkeit

Da das Orderbuch öffentlich ist, sehen andere Trader und Handelsalgorithmen diese Bewegung sofort. Das kann zusätzliche Effekte auslösen:

  • Andere Trader reagieren auf die Preisbewegung
  • Bots passen ihre Orders automatisch an
  • Der Preis kann weiter ausschlagen als nur durch deine Order

Eine große Order fungiert somit als Signal für den Markt, was den Preiseinfluss weiter verstärken kann. Du kannst dir vorstellen, dass wenn hunderte Millionen oder sogar Milliarden in bestimmten Kryptowährungen gekauft oder verkauft werden, das direkten Einfluss auf den Kurs hat.

Warum ist das bei großen Transaktionen relevant?

Je größer die Order im Verhältnis zur verfügbaren Liquidität im Orderbuch ist, desto größer ist der Preiseinfluss. Bei kleineren Transaktionen ist dieser Effekt meist vernachlässigbar, bei größeren Volumina kann der Unterschied jedoch erheblich sein.

Genau aus diesem Grund entscheiden sich viele professionelle Marktteilnehmer bei großen Orders für OTC-Trading, bei dem die Transaktion außerhalb des öffentlichen Orderbuchs stattfindet und der Marktpreis nicht direkt beeinflusst wird.

Für wen ist OTC-Trading geeignet?

OTC-Trading eignet sich vor allem für Parteien, die große Beträge handeln möchten, ohne den Markt zu stören. Dazu zählen:

  • Institutionelle Investoren
  • Unternehmen
  • Vermögende Privatpersonen
  • High-Volume-Krypto-Trader (Whales)

Auf einer regulären Exchange könnte eine große Order den Preis stark bewegen oder nur teilweise ausgeführt werden, was zu Slippage führt. OTC-Trading verhindert das. Zusätzlich entscheiden sich viele Kunden wegen des persönlichen Services für OTC-Trading. Anstelle einer anonymen Plattform hast du direkten Kontakt zu einem Account Manager, der den gesamten Prozess begleitet.

Kurz zusammengefasst: OTC-Trading ist für Transaktionen ab etwa 50.000€ bis 100.000€ gedacht (abhängig vom Krypto-Broker oder der Exchange), bei denen Diskretion, tiefe Liquidität, feste Preise und persönliche Betreuung im Mittelpunkt stehen.

Die Vorteile von OTC-Trading

1. Kein direkter Preiseinfluss

Da OTC-Transaktionen nicht in einem öffentlichen Orderbuch erscheinen, hat deine Order keinen direkten Einfluss auf den Marktpreis. Du vereinbarst im Voraus einen festen Preis für das gesamte Volumen. Dadurch vermeidest du Slippage und Preisverschiebungen während der Ausführung.

2. Tiefe Liquidität über Netzwerke

OTC-Desks greifen auf mehrere Liquiditätsquellen zurück, etwa Exchanges, Market Maker und externe Liquidity Provider. Der Broker vergleicht verschiedene Märkte und stellt auf dieser Basis einen wettbewerbsfähigen Preis zusammen, was sich besonders bei großen Orders auszahlt.

3. Persönlicher Service

OTC-Trading dreht sich nicht nur um Technologie, sondern auch um den persönlichen Kontakt. Du besprichst die Order direkt, erhältst Begleitung während des gesamten Prozesses und kannst individuelle Vereinbarungen zur Ausführung und zum Settlement treffen. Bei Finst nennen wir das institutionelles Investieren.

Nachteile beim OTC-Krypto-Trading

Obwohl OTC-Trading viele Vorteile bietet, gibt es auch Risiken:

1. Gegenparteirisiko

Da die Transaktion außerhalb einer Exchange stattfindet, besteht das Risiko, dass eine Gegenpartei ihren Verpflichtungen nicht nachkommt. Deshalb ist es wichtig, nur mit regulierten und vertrauenswürdigen OTC-Desks zu arbeiten.

2. Regulierung und Compliance

OTC-Trading unterliegt KYC- und AML-Vorschriften. Kunden müssen mit Identifizierungsprozessen, Risikobewertungen und gegebenenfalls Enhanced Due Diligence (EDD) rechnen.

3. Betrug und Scams

Durch den privaten Charakter kann OTC-Trading für Betrüger attraktiv sein. Arbeite daher immer mit renommierten Anbietern und vermeide informelle Deals ohne klare Vereinbarungen.

4. Eingeschränkte Preistransparenz

Da OTC-Preise nicht öffentlich sind, ist ein Preisvergleich schwieriger. Ein professioneller Broker wird daher immer Markteinblicke und eine Begründung des Preises liefern.

Wie läuft eine OTC-Transaktion in der Praxis ab?

Eine OTC-Transaktion verläuft in der Regel in folgenden Schritten:

  1. Kontakt und Anfrage

Du nimmst Kontakt mit einem Account Manager auf und gibst an, wie viel Krypto du kaufen oder verkaufen möchtest, zum Beispiel: „Ich möchte für 100.000€ Bitcoin kaufen“ oder „Ich möchte 1 Bitcoin verkaufen“.

  1. Preisstellung (Quoting)

Der OTC-Desk holt einen Preis für das gewünschte Volumen ein, berechnet die Gebühr und kommuniziert einen All-in-Preis. Dieser Preis ist zeitlich begrenzt gültig, da sich Kurse laufend ändern.

  1. Zustimmung und Ausführung

Nach deiner Zustimmung wird die Transaktion ausgeführt und der Preis fixiert. Es entsteht eine verbindliche Vereinbarung.

  1. Settlement

Du erhältst eine Rechnung mit allen Details (Preis, Menge, Wallet-Adresse, Bankverbindung). Nach Eingang von Euro oder Krypto wird die Gegenleistung erbracht, meist innerhalb eines Werktages. Im Gegensatz zu einer Exchange, bei der ein automatisches System Orders matched, wird beim OTC-Trading alles persönlich begleitet und kontrolliert.

OTC-Trading versus Exchange-Trading (Übersicht)

Merkmal OTC-Trading Exchange-Trading
Sichtbarkeit Private Transaktionen Öffentliches Orderbuch
Preisbildung Verhandlung Angebot und Nachfrage
Markteinfluss Gering Kann hoch sein
Liquidität Hoch bei großen Orders Abhängig vom Orderbuch
Service Persönlich Standardisiert
Kosten Oft etwas niedriger Meist Standardkosten

Ist OTC-Krypto-Trading legal?

Ja, OTC-Krypto-Trading ist in den meisten Ländern legal, sofern es den lokalen Vorschriften entspricht. Seriöse OTC-Desks wenden strenge KYC- und AML-Verfahren an und operieren innerhalb des gesetzlichen Rahmens.

Fazit

OTC-Trading ist eine diskrete und effiziente Möglichkeit, große Mengen an Krypto zu handeln, ohne den Markt zu beeinflussen. Durch feste Preise, tiefe Liquidität und persönliche Betreuung ist es eine geeignete Lösung für institutionelle Investoren und vermögende Privatpersonen.

Für alle, die große Transaktionen mit maximaler Kontrolle, minimaler Slippage und professioneller Unterstützung durchführen möchten, stellt OTC-Trading eine wertvolle Alternative zum regulären Exchange-Trading dar.

Über Finst

Finst ist einer der führenden Anbieter von Kryptowährungen in den Niederlanden und bietet eine erstklassige Investitionsplattform zusammen mit Sicherheitsstandards auf institutioneller Ebene und ultra-niedrigeren Handelsgebühren. Finst wird vom ehemaligen Kernteam von DEGIRO geleitet und ist als Kryptowerte-Dienstleister von der niederländischen Finanzmarktaufsichtsbehörde (AFM) zugelassen. Finst bietet eine ganze Reihe von Kryptowerte-Dienstleistungen an, darunter Handel, Verwahrung, Fiat-On/Off-Ramp und Staking für private und institutionelle Anleger.

Die NextGen Krypto-Plattform

Wir sind hier, um dir die Funktionen, die Inspiration und die Unterstützung zu geben, die du benötigst, um ein besserer Investor zu werden.

Gratis Konto eröffnen