Was ist Impermanent Loss?

Was ist Impermanent Loss?
Impermanent Loss (IL) ist der Wertunterschied zwischen:
- Krypto in einen Liquidity Pool legen
- Dieselbe Krypto einfach in deiner Wallet halten (HODL)
Wenn du mit Liquidity Providing weniger Wert übrig behältst als mit einfachem Halten, hast du es mit Impermanent Loss zu tun.
Wichtig: Es geht hier nicht um „Verlust“ im klassischen Sinne. Dein Gesamtwert kann trotzdem steigen. Impermanent Loss bedeutet nur, dass du relativ schlechter dastehst, als wenn du gar nichts gemacht hättest. Der Unterschied entsteht durch ein sich änderndes Preisverhältnis zwischen den zwei Tokens im Pool. Je weiter dieses Verhältnis vom Zeitpunkt deines Einstiegs abweicht, desto größer wird der Unterschied.
Wichtigste Erkenntnisse
- Impermanent Loss (IL) ist der Renditeunterschied zwischen Liquidity Providing und einfachem HODL.
- IL entsteht durch Veränderungen im Preisverhältnis zwischen zwei Tokens in einem Liquidity Pool.
- Es heißt „impermanent“, weil der Unterschied erst endgültig wird, wenn du deine Liquidität aus dem Pool abziehst.
- IL tritt sowohl bei steigenden als auch bei fallenden Preisen auf und wächst nicht linear, sondern beschleunigt sich bei großen Preisbewegungen.
- Trading Fees und Rewards können Impermanent Loss ausgleichen oder sogar übertreffen.
Warum heißt es „impermanent“?
Solange du deine Liquidität nicht aus dem Pool abziehst, ist der Unterschied noch nicht endgültig. Wenn die Preise exakt auf das ursprüngliche Niveau zurückkehren, verschwindet der Impermanent Loss automatisch.
Aber: In dem Moment, in dem du aussteigst, während sich das Preisverhältnis verändert hat, wird der Unterschied endgültig. Das ist oft der Moment, in dem Leute erst realisieren, was eigentlich passiert ist.
Wie AMMs das verursachen (ohne technischen Kram)
Liquidity Pools funktionieren über Automated Market Maker (AMMs). Anstatt Käufer und Verkäufer direkt zusammenzubringen, bestimmt eine mathematische Formel den Preis auf Basis des Verhältnisses zwischen zwei Tokens.
In den meisten Pools geht es um eine 50/50-Aufteilung im Dollarwert.
Sobald jemand einen Token kauft oder verkauft:
- Verändert sich das Gleichgewicht im Pool
- Verschiebt sich der Preis im Pool
- Springen Arbitrage Trader darauf an
Diese Arbitrage Trader sorgen dafür, dass der Poolpreis wieder mit dem Marktpreis übereinstimmt. Dieser Mechanismus sorgt dafür, dass du als Liquidity Provider automatisch:
- Mehr von dem Asset bekommst, das relativ im Preis gefallen ist (oder weniger stark gestiegen ist)
- Weniger von dem Asset bekommst, das sich relativ stärker entwickelt hat
Dieser relative Unterschied im Vergleich zu HODL ist der Impermanent Loss.
Beispiel für Impermanent Loss
Angenommen, du stellst 1 ETH und 100 USDC einem Pool zur Verfügung. ETH steht zu diesem Zeitpunkt bei 100$. Dein gesamter Einsatz beträgt 200$.
Der Pool enthält insgesamt:
- 10 ETH
- 1.000 USDC
Du besitzt 10% des Pools.
Ein paar Wochen später steht ETH bei 400$. Der Pool hält deine ETH nicht einfach fest. Trader kaufen ETH aus dem Pool, solange sie dort günstiger ist als am Markt, und zahlen USDC in den Pool ein.
Nach dieser Arbitrage sieht der Pool ungefähr so aus (gerundet):
- ~5 ETH
- ~2.000 USDC
Ziehst du jetzt deine Liquidität ab, bekommst du deine 10%:
- ~0,5 ETH
- ~200 USDC
Gesamtwert:
- 0,5 ETH x 400$ = 200$
- 200 USDC = 200$
Gesamt: 400$
Du hast dich also verdoppelt.
Aber wenn du nichts gemacht und einfach 1 ETH + 100 USDC gehalten hättest:
- 1 ETH x 400$ = 400$
- 100 USDC = 100$
Gesamt: 500$
Der Unterschied von 100$ ist Impermanent Loss.
Das bedeutet nicht, dass du 100$ verloren hast. Du hast sogar 200$ Gewinn gemacht. Impermanent Loss sagt nur, dass du 100$ weniger Rendite erzielt hast als mit HODL.
Haben Fees Einfluss auf Impermanent Loss?
Das vorige Beispiel ging von null Trading Fees aus. In der Praxis erhältst du als Liquidity Provider einen Teil jeder Swap-Gebühr. Bei ausreichendem Volumen kann sich das ordentlich summieren.
Manchmal sind diese Fees:
- Ausreichend, um Impermanent Loss vollständig zu kompensieren
- Oder sogar genug, um besser zu performen als HODL
Deshalb solltest du Impermanent Loss nie isoliert betrachten. Es geht immer um das Gleichgewicht zwischen Impermanent Loss und Erträgen.
Gibt es Impermanent Loss nur bei fallenden Kursen?
Nein. Ein häufiger Irrtum ist, dass Impermanent Loss nur bei fallenden Preisen auftritt. Das stimmt nicht.
Das Einzige, was zählt, ist, wie stark sich das Preisverhältnis verändert. Ob ETH von 100$ auf 50$ fällt oder auf 400$ steigt, in beiden Fällen entsteht Impermanent Loss. Je größer der Unterschied zum ursprünglichen Preis, desto größer der Abstand zur HODL-Strategie.
Wie schnell steigt Impermanent Loss?
Impermanent Loss wächst nicht linear. Je weiter der Preis abweicht, desto schneller steigt der Unterschied.
Bei einem standardmäßigen 50/50-Pool ohne Fees sieht das ungefähr so aus:
Bei extrem volatilen Altcoins kann das also stark ansteigen, selbst wenn der Preis steigt.
Die Formel für Impermanent Loss
Für einen standardmäßigen 50/50 Constant-Product-AMM gilt:
Impermanent Loss = (2 × √Preisverhältnis) / (1 + Preisverhältnis) - 1
Dabei ist das Preisverhältnis = Neuer Preis / Alter Preis
In der Praxis nutzen die meisten Leute einen Online-Rechner. Das ist schneller, genauer und weniger fehleranfällig.
Warum entscheiden sich Menschen trotzdem für Liquidity Pools?
Weil Liquidity Providing mehr ist als nur Preisbewegungen. Du kannst nämlich verdienen an:
- Handelsgebühren
- Yield Farming-Rewards
- Manchmal Airdrops oder Governance Tokens
Bei ausreichendem Volumen und guten Incentives kann Liquidity Providing profitabler sein als HODL, selbst mit Impermanent Loss.
Wann ist Impermanent Loss besonders risikoreich?
Das Risiko ist vor allem hoch bei:
- Neuen oder hype-getriebenen Altcoins
- Krypto-Pairs mit niedriger Liquidität
- AMMs ohne bewährten Track Record
- Pools, aus denen du schnell aussteigen können musst
Auch all-in in einen einzigen Pool zu gehen, erhöht das Risiko erheblich.
Wie kannst du das Risiko von Impermanent Loss begrenzen?
Impermanent Loss kannst du nicht ausschalten, aber managen:
- Setze auf geringere Volatilität: ETH/Stablecoin ist oft stabiler als Alt/Alt
- Stablecoin-Paare: minimaler Impermanent Loss, aber Achtung bei De-Pegs
- Andere Pool-Strukturen: Modelle wie 80/20 oder 95/5 reduzieren das Risiko
- Klein anfangen: teste erst mit einem Betrag, den du verkraften kannst
- Verteile deine Liquidität auf mehrere Pools
- Sei skeptisch bei extrem hohen APYs: hohe Rendite bedeutet fast immer zusätzliches Risiko
Gibt es Schutz vor Impermanent Loss?
Ja, einige DeFi-Protokolle bieten Schutz vor Impermanent Loss. Das funktioniert oft wie eine Art Versicherung, bei der ein Teil des Verlustes kompensiert wird, meist abhängig davon, wie lange deine Liquidität im Pool bleibt.
Dem stehen aber auch Nachteile gegenüber:
- Weniger Flexibilität durch Lock-ups
- Niedrigere Erträge als bei normalen Pools
- Zusätzliche Bedingungen, die nicht immer zu deinem Vorteil sind
Sieh Impermanent-Loss-Schutz daher nicht als kostenloses Sicherheitsnetz, sondern als bewusste Abwägung zwischen Rendite, Freiheit und Sicherheit.
Fazit
Impermanent Loss ist kein Fehler oder versteckter Kostenfaktor, sondern ein inhärenter Mechanismus von Liquidity Pools, die mit Automated Market Makern arbeiten. Es bedeutet nicht, dass du Geld verlierst, sondern dass deine Rendite anders ausfällt als beim einfachen Halten. Ob Liquidity Providing attraktiv ist, hängt daher nie nur vom Impermanent Loss ab, sondern immer vom Gesamtbild: Preisbewegungen, Fees, Incentives und Risiken. Wer das gut versteht und bewusst passende Pools auswählt, kann Impermanent Loss managen und Liquidity Providing strategisch einsetzen, statt davon überrascht zu werden.