Was ist Compounding und wie funktioniert Zinseszins in Krypto?

Was ist Compounding?
Compounding ist Zinseszins: Du lässt Erträge auf deinem bestehenden Saldo stehen, sodass du später auch Erträge auf frühere Erträge erhältst. Einfach gesagt wächst nicht nur deine ursprüngliche Einzahlung mit, sondern auch das, was du zwischendurch verdient hast.
Stell dir vor, du hast 100 Tokens und erhältst darauf 5 % Ertrag. Nach der ersten Periode hast du 105 Tokens. Lässt du diese 5 zusätzlichen Tokens stehen, wird der nächste Ertrag auf 105 Tokens statt auf 100 berechnet. Bei einer positiven und gleichbleibenden Rendite wächst dein Saldo dadurch immer schneller. Das nennt man exponentielles Wachstum.
In Krypto ist „Zinseszins“ allerdings ein praktischer, aber manchmal vereinfachender Begriff. Der Ertrag kann zum Beispiel aus Staking-Belohnungen, Lending oder Tokenincentives stammen. Ob dieser Ertrag automatisch erneut eingesetzt wird, hängt vom jeweiligen Protokoll und Produkt ab.
Wichtigste Erkenntnisse
- Compounding bedeutet, dass Erträge auf deinem Saldo stehen bleiben.
- Dadurch kannst du später auch Erträge auf bereits verdiente Erträge erhalten.
- Bei einer positiven, gleichbleibenden Rendite wächst die Tokenanzahl schneller als bei einer reinen Auszahlung.
- Krypto-Erträge können aus Staking, Lending oder Tokenincentives stammen.
- Automatisches Reinvestieren ist nicht bei jedem Krypto-Produkt gleich geregelt.
Wie funktioniert Compounding?
Compounding funktioniert in einem wiederholten Zyklus: Du startest mit einem Saldo, verdienst Erträge, fügst diese Erträge hinzu und verdienst danach Erträge auf den höheren Saldo.
Beispiel: Du legst 100 Tokens mit einer jährlichen Rendite von 10 % an. Nach dem ersten Jahr hast du also 110 Tokens. Bleiben diese 10 zusätzlichen Tokens stehen, erhältst du im zweiten Jahr 10 % auf 110 Tokens. Du landest dann bei 121 Tokens. Du hast also mehr Tokens, als wenn du kein Compounding genutzt hättest.
Dieses Reinvestieren kann auf zwei Arten ablaufen:
- Automatisch: Ein Protokoll lässt deine Position, deinen Token-Saldo oder den Wert deiner Position von selbst wachsen.
- Manuell: Du claimst Belohnungen selbst und setzt sie danach erneut für Staking, Lending oder einen Vault ein.
Je häufiger Erträge hinzugefügt werden, desto höher ist der Endwert in einem Rechenbeispiel mit derselben festen Jahresrendite. Im Kryptomarkt sind Erträge aber oft variabel. Ein fester Zinssatz von zum Beispiel 5 % ist daher vor allem hilfreich, um zu verstehen, wie die Berechnung funktioniert, nicht als Prognose dafür, was du tatsächlich verdienen wirst.
Wichtig ist auch: Automatisches Wachstum bedeutet nicht immer, dass ein Protokoll exakt die klassische Zinseszinsformel verwendet. Schau dir deshalb immer an, wie das jeweilige Produkt seine Erträge verarbeitet.
Wie wird Compounding berechnet?
Bei einer festen Jahresrendite kannst du Compounding mit dieser Formel berechnen:
A = P × (1 + r/n)^(n × t)
Das sieht vielleicht kompliziert aus, aber die Bestandteile sind eigentlich einfach:
- A ist dein Endwert.
- P ist deine ursprüngliche Einzahlung.
- r ist der Jahreszins als Dezimalzahl. 10 % schreibst du also als 0,10.
- n ist, wie oft Erträge pro Jahr hinzugefügt werden.
- t ist die Anzahl der Jahre.
Wird der Ertrag einmal pro Jahr hinzugefügt? Dann ist die Formel einfacher:
A = P × (1 + r)^t
Angenommen, du setzt 1.000 Tokens ein, mit 10 % fester Rendite pro Jahr und jährlichem Compounding. Nach zwei Jahren lautet die Rechnung:
1.000 × (1 + 0,10)^2 = 1.210 Tokens
Du hast dann 210 Tokens Ertrag aufgebaut. Deine ursprüngliche Einzahlung von 1.000 Tokens kommt noch dazu.
Bei Krypto siehst du auch oft APR und APY. APR ist ein nominaler Zinssatz und enthält den Effekt von Compounding nicht automatisch. APY tut das schon: Es zeigt, wie hoch die Rendite über ein Jahr wäre, wenn Erträge in diesem Jahr erneut hinzugefügt werden.
Sieh diese Formel vor allem als Szenario. Bei Krypto können sich Raten ändern, Belohnungsschemata angepasst werden und Netzwerkgebühren steigen. Auch der Kurs eines Tokens kann fallen. Deshalb ist es sinnvoll, nicht nur auf die Tokenanzahl zu schauen, sondern auch auf den Wert in Euro.
Was ist der Unterschied zwischen Compounding und einfacher Verzinsung?
Bei einfacher Verzinsung erhältst du immer nur Erträge auf deine ursprüngliche Einzahlung. Bei Compounding bekommst du auch Erträge auf die bereits aufgebauten Erträge.
Mit 1.000 Tokens und einer festen Rendite von 10 % pro Jahr sieht das nach zwei Jahren so aus:
- Einfache Verzinsung: jedes Jahr 100 Tokens Ertrag. Nach zwei Jahren hast du 1.200 Tokens.
- Compounding: Nach dem ersten Jahr hast du 1.100 Tokens. Im zweiten Jahr erhältst du 10 % auf 1.100 Tokens, wodurch du bei 1.210 Tokens landest.
Der Unterschied beträgt nach zwei Jahren also nur 10 Tokens. Aber je länger du Erträge erneut einsetzt, desto größer kann der Effekt werden, solange die Rendite positiv bleibt. Eine höhere Rendite und häufigeres Reinvestieren vergrößern diesen Unterschied ebenfalls.
Dieses Beispiel bezieht sich nur auf Tokenanzahlen bei einer hypothetisch festen Rendite. Es sagt nichts über Kursveränderungen, Kosten oder dein endgültiges Ergebnis in Euro aus.
Wie wird Compounding innerhalb von Krypto angewendet?
Innerhalb von Krypto kann Compounding sehr unterschiedlich aussehen. Manchmal wächst dein Saldo automatisch, manchmal bleibt deine Tokenanzahl gleich, während der Wert deiner Position steigt, und manchmal musst du selbst erneut einsetzen.
Bei Proof-of-Stake können Validatoren Belohnungen für ihre Rolle im Netzwerk erhalten. Ein Validator prüft neue Blöcke und hilft so, das Netzwerk sicher zu halten. Auf Ethereum können Validatoren mit Type-2-Withdrawal-Credentials Belohnungen in ihre effektive Balance einrechnen lassen, bis maximal 2.048 ETH. Dadurch steigt ihr Validatorgewicht und zukünftige Belohnungen können ebenfalls höher ausfallen.
Bei Liquid Staking siehst du oft eines dieser beiden Modelle:
- Ein Rebasing-Token passt deinen Saldo regelmäßig an. Bei stETH kann die Anzahl der Tokens in deinem Wallet also steigen.
- Ein Token kann die gleiche Menge behalten, während der Wechselkurs steigt. Bei wstETH bleibt deine Menge an wstETH gleich, repräsentiert aber mit der Zeit mehr stETH.
Auch beim DeFi-Lending kommt das vor. Wenn du Krypto zu einem Lending-Pool hinzufügst, kannst du einen Position-Token erhalten. Auf Aave wachsen aToken-Salden automatisch mit der aktuellen Supply Rate mit. Diese Rate hängt unter anderem davon ab, wie stark der Lending-Pool gerade genutzt wird.
Compound V2 funktioniert mit cTokens anders. Deine Anzahl an cTokens bleibt grundsätzlich gleich, aber der Wechselkurs gegenüber dem zugrunde liegenden Asset steigt, wenn sich Zinsen im Markt aufbauen.
Manuelles Compounding erfordert etwas mehr Aufwand. Du claimst dann zuerst deine Belohnungen und setzt sie danach erneut ein. Manchmal musst du dafür Tokens swappen oder sie in einen Vault einzahlen. Das kann Netzwerkgebühren kosten, deshalb ist es bei kleinen Belohnungen besonders wichtig zu prüfen, ob sich das erneute Einsetzen überhaupt lohnt.
Wie funktioniert Compounding bei Finst?
Beim Staking bei Finst werden Staking Rewards automatisch erneut gestaket. Du musst erhaltene Belohnungen also nicht selbst erneut einsetzen, um vom Compounding zu profitieren.
Die Staking Rewards werden täglich auf Basis der Anzahl deiner Tokens und der geltenden APY berechnet. Jeden Montag werden die aufgebauten Rewards in Krypto ausgezahlt. Diese Tokens werden anschließend automatisch wieder ins Staking einbezogen.
Angenommen, du stakest zum Beispiel 100 Tokens und erhältst im Laufe der Zeit 2 Tokens an Staking Rewards. Nach der Auszahlung können auch diese 2 zusätzlichen Tokens bei der Berechnung zukünftiger Staking Rewards berücksichtigt werden. Du verdienst dann also nicht nur Rewards auf deine ursprünglichen 100 Tokens, sondern auch auf bereits erhaltene Rewards.
Das wird auch Auto-Compounding genannt. Der tatsächliche Ertrag steht nicht fest: Die APY kann sich ändern und auch der Kurs der gestakten Krypto kann steigen oder fallen.
Bei Finst ist Staking flexibel. Es gibt keine Lock-up-Periode und Staking Rewards werden wöchentlich ausgezahlt.
Beim Staking von Kryptowerten besteht das Risiko eines Kapitalverlusts. Die von Finst B.V. angebotene Staking-Dienstleistung wird derzeit nicht durch die MiCAR reguliert. Daher gelten die Schutzmechanismen für regulierte Kryptodienstleistungen möglicherweise nicht für diese Dienstleistung. Weitere Informationen findest du in unseren Risikohinweisen.
Welche Vorteile hat Compounding?
Der größte mögliche Vorteil von Compounding ist einfach: Bereits verdiente Erträge können selbst wieder neue Erträge erzeugen. Dadurch kann deine Tokenanzahl bei einer positiven Rendite schneller wachsen, als wenn du alles immer nur auszahlen lässt.
Compounding kann auch praktisch sein. Wenn ein Position-Token, ein Rebase oder ein steigender Wechselkurs den Ertrag automatisch verarbeitet, musst du Belohnungen seltener selbst claimen und erneut einsetzen. Das spart Handgriffe und kann auch Netzwerkgebühren reduzieren.
Für bestimmte Ethereum-Type-2-Validatoren gibt es noch einen technischen Vorteil. Belohnungen können innerhalb der Protokollgrenze von 2.048 ETH die effektive Balance erhöhen. Eine höhere effektive Balance bedeutet ein höheres Validatorgewicht und möglicherweise höhere zukünftige Belohnungen.
Zeit spielt dabei eine große Rolle. Je länger Erträge verfügbar bleiben, um erneut mitzuwachsen, desto stärker wird der Zinseszins-Effekt in der Theorie. Das gilt nur, solange die Erträge positiv bleiben und Kosten oder Kursverluste das Ergebnis nicht aufheben.
Welche Risiken und Einschränkungen hat Compounding?
Compounding macht Krypto nicht weniger riskant. Es kann deine Tokenanzahl wachsen lassen, aber wenn der Kurs dieses Tokens stark fällt, kann der Wert in Euro trotzdem niedriger sein, selbst wenn du mehr Coins angesammelt hast. Krypto kann stark im Preis schwanken und ein Token kann sogar seinen gesamten Wert verlieren.
Die Risiken unterscheiden sich je nach Art, wie du Compounding nutzt:
- Preisrisiko: Mehr Tokens bedeuten nicht automatisch mehr Wert in Euro. Erhältst du Belohnungen in einem anderen Token, kommen zusätzlich Preisrisiko und mögliche Umtauschkosten dazu.
- Protokollrisiko: Bei DeFi-Lending oder Liquid Staking vertraust du auf die Regeln und die Technik des Protokolls. Ein Problem darin kann Folgen für deine Position haben.
- Risiko durch Dritte: Nutzt du einen Staking-Dienst oder ein Krypto-Unternehmen, bist du auch von dieser Partei abhängig. Technische Fehler und eine Insolvenz können Risiken mit sich bringen.
- Liquiditätsrisiko: Du kannst manchmal nicht sofort aussteigen. Bei extremen Bedingungen oder vielen gleichzeitigen Abhebungen kann die Marktliquidität für stETH zum Beispiel austrocknen und eine Auszahlungswarteschlange kann sich verzögern.
- Kostenrisiko: Beim manuellen Claimen, Swappen und erneuten Einsetzen zahlst du oft Netzwerkgebühren. Kleine Belohnungen können dadurch größtenteils verschwinden.
Auch Staking ist nicht ohne Risiko. Validatoren auf Ethereum können Belohnungen erhalten, bekommen unter bestimmten Umständen aber auch Sanktionen. Bei schädlichem Verhalten kann ein Validator geslasht werden, was bedeutet, dass ein Teil des Einsatzes verloren geht.
Außerdem sind DeFi-Lending-Raten meist variabel. Der Ertrag auf Aave verändert sich zum Beispiel mit dem Auslastungsgrad des Lending-Pools und anderen Protokolleinstellungen. Eine attraktive APY von heute ist also keine Zusage für morgen.
Schließlich ist der Schutz innerhalb von Krypto begrenzt und vom Produkt abhängig. DeFi fällt grundsätzlich nicht unter Aufsicht, auch wenn die Lage je nach Produkt unterschiedlich sein kann. Schau deshalb nicht nur auf eine hohe APY, sondern auch darauf, woher der Ertrag kommt, welche Risiken du eingehst und welche Kosten anfallen.
Fazit
Compounding bedeutet, dass du Erträge erneut mitwachsen lässt. Statt nur Rendite auf deine erste Einzahlung zu erhalten, bekommst du auch Rendite auf bereits verdiente Tokens. Das kann langfristig einen deutlichen Unterschied machen.
In Krypto funktioniert das über verschiedene Formen, etwa Staking, Liquid Staking und DeFi-Lending. Manchmal läuft es automatisch, manchmal musst du Belohnungen selbst claimen und erneut einsetzen. Die klassische Formel hilft dabei, das Prinzip zu verstehen, ist aber keine verlässliche Prognose für Krypto-Renditen.
Das Wichtigste ist also, über die angezeigte Rendite hinauszuschauen. Prüfe, ob Erträge wirklich erneut eingesetzt werden, ob die Rate variabel ist, welche Gebühren du zahlst und welches Preis-, Protokoll- und Liquiditätsrisiko du trägst.