Was ist ein Cross-Chain-Bridge-Exploit und wie entstehen solche Angriffe?

Was ist ein Cross-Chain-Bridge-Exploit?
Ein Cross-Chain-Bridge-Exploit ist das Ausnutzen einer Schwachstelle in einer Bridge: einer Infrastruktur, über die verschiedene Blockchains miteinander kommunizieren können. Durch so eine Schwachstelle kann ein Angreifer zum Beispiel Tokens freigeben, ohne eine gültige Einzahlung geleistet zu haben, Tokens ohne ausreichende Besicherung minten oder Reserven aus der Bridge abziehen.
Eine Cross-Chain-Bridge macht es möglich, Tokens, Nachrichten oder andere Daten zwischen getrennten Blockchains zu verschieben. Das ist nötig, weil eine Blockchain nicht automatisch prüfen kann, was auf einer anderen Blockchain passiert ist.
Ein Exploit kann an verschiedenen Stellen entstehen. Denk an einen Fehler bei der Prüfung von Nachrichten, zu weit gefasste Zugriffsrechte, eine Schwachstelle in Smart Contracts oder gestohlene private keys von Validatoren oder Administratoren. Bei manchen Bridges bestätigen Validatoren zum Beispiel, dass eine Nachricht von der einen Blockchain echt und gültig ist, bevor auf der anderen Blockchain etwas passiert.
Wichtig zu wissen: Eine Bridge fügt eine zusätzliche Sicherheitsebene über den Blockchains hinzu, mit denen sie verbunden ist. Bei manchen Bridges vertraust du zum Beispiel auf eine externe Gruppe von Validatoren oder auf eine Multisig. Andere Bridges nutzen Light Clients und kryptografische Beweise, etwa Merkle-Beweise, um zu prüfen, dass eine Transaktion oder ein Ereignis tatsächlich auf der anderen Blockchain stattgefunden hat. Das Sicherheitsmodell und damit die Risiken können sich also je nach Bridge stark unterscheiden.
Eine Phishing-Seite während des Bridgings ist übrigens nicht automatisch ein Bridge-Exploit. So eine Seite kann dich zwar zu einem bösartigen Contract weiterleiten oder dazu bringen, eine unerwünschte Zustimmung zu signieren, aber damit ist die zugrunde liegende Bridge selbst noch nicht zwangsläufig kompromittiert.
Wichtigste Erkenntnisse
- Eine Cross-Chain-Bridge ermöglicht Kommunikation und den Transfer von Werten zwischen getrennten Blockchains.
- Ein Bridge-Exploit nutzt eine technische oder operative Schwachstelle in so einer Bridge aus.
- Angreifer können unter anderem unautorisierte Auszahlungen auslösen oder Tokens ohne ausreichende Besicherung minten.
- Die Verifizierung von Cross-Chain-Nachrichten ist ein wichtiger Sicherheitsfaktor einer Bridge.
- Das Sicherheitsmodell unterscheidet sich je nach Bridge und bestimmt, welchen zusätzlichen Risiken Nutzer ausgesetzt sind.
Wie funktioniert eine Cross-Chain-Bridge?
Eine Cross-Chain-Bridge schaut sich ein Ereignis auf der Quell-Blockchain an und führt nach der Prüfung dieses Ereignisses eine passende Aktion auf der Ziel-Blockchain aus.
Stell dir vor, du willst einen Token von Blockchain A zu Blockchain B senden. Blockchain B kann nicht automatisch prüfen, ob du diesen Token auf Blockchain A tatsächlich gesendet hast. Deshalb muss die Bridge das Ereignis auf Blockchain A erkennen und verifizieren, bevor auf Blockchain B etwas passiert.
Ein häufig genutztes Modell heißt Lock-and-Mint. Dabei werden deine ursprünglichen Tokens auf der Quell-Blockchain gesperrt. Auf der Ziel-Blockchain wird dann ein Wrapped Token gemintet: eine Repräsentation des ursprünglichen Tokens. Wenn du zurückgehst, wird der Wrapped Token verbrannt und die ursprünglichen Tokens können wieder freigegeben werden.
Beispiel: Du sperrst 1 Token auf Blockchain A. Nach der Verifizierung erhältst du auf Blockchain B 1 Wrapped Token. Dein ursprünglicher Token wandert also nicht buchstäblich zu Blockchain B, sondern bleibt als Besicherung für den Token gesperrt, den du dort erhältst.
Ein anderer Ansatz arbeitet mit Liquiditätspools. Nach einer verifizierten Transaktion auf der Quell-Blockchain kann ein Pool auf der Ziel-Blockchain eine gleichwertige Menge an Tokens auszahlen.
Der entscheidende Schritt ist immer die Verifizierung. Die Bridge muss zum Beispiel prüfen, ob eine Nachricht echt ist, von der richtigen Blockchain stammt, die richtigen Bedingungen erfüllt und nicht schon früher verarbeitet wurde. Wie das genau geschieht, unterscheidet sich je nach Bridge.
Manche Bridges unterstützen außerdem generalised message passing. Dann können sie nicht nur Tokens verschieben, sondern auch andere Daten oder Befehle zwischen Blockchains weitergeben und ausführen lassen. Das bietet mehr Möglichkeiten, kann aber auch die Angriffsfläche vergrößern.
Welche unterschiedlichen Sicherheitsmodelle nutzen Bridges?
Nicht jede Bridge entscheidet auf dieselbe Weise, ob eine Nachricht gültig ist. Dadurch kann sich auch das Sicherheitsmodell stark unterscheiden.
Eine Bridge kann zum Beispiel auf Folgendes vertrauen:
- Externe Validatoren oder Multisigs: Eine Gruppe von Parteien signiert Nachrichten, bevor sie auf einer anderen Blockchain ausgeführt werden.
- Light Clients: Die eine Blockchain prüft kryptografische Informationen über den Zustand der anderen Blockchain.
- Kryptografische Beweise: Eine Bridge nutzt zum Beispiel Merkle-Beweise oder andere kryptografische Konstruktionen, um Ereignisse nachzuweisen.
- Optimistische Verifizierung: Nachrichten werden zunächst akzeptiert, erhalten aber eine Frist, in der andere Parteien eine ungültige Nachricht anfechten können.
Diese Modelle haben unterschiedliche Vor- und Nachteile. Eine externe Validatorengruppe kann zum Beispiel einfacher sein, fügt aber eine zusätzliche Vertrauensebene hinzu. Eine Bridge, die Ereignisse kryptografisch prüft, hat wiederum andere technische Risiken. Deshalb sagt allein das Wort „Bridge“ noch wenig darüber aus, wie sicher das System genau ist.
Wie kann eine Cross-Chain-Bridge angegriffen werden?
Ein Angreifer versucht meist, die Verifizierung der Bridge zu umgehen oder sich die Befugnis zu verschaffen, eine ungültige Cross-Chain-Nachricht trotzdem zu bestätigen.
Die Idee dahinter ist einfach: Wenn die Ziel-Blockchain fälschlicherweise glaubt, dass auf der Quell-Blockchain Tokens eingezahlt oder gesperrt wurden, kann die Bridge zum Beispiel neue Tokens minten oder Reserven freigeben, ohne dass dafür ausreichende Besicherung vorhanden ist.
Das kann auf mehreren Wegen passieren:
- Ein Fehler sorgt dafür, dass auch eine nicht nachgewiesene oder gefälschte Nachricht akzeptiert wird.
- Ein Angreifer kommt an genügend private keys von Validatoren, Multisig-Unterzeichnern oder Administratoren.
- Ein Bug in einem Smart Contract überspringt eine wichtige Prüfung oder gibt einem Konto zu viele Rechte.
- Die Verifizierung eines kryptografischen Beweises, etwa eines Merkle-Beweises oder eines Light-Client-Beweises, enthält einen Fehler.
- Eine falsche Konfiguration oder ein fehlerhaftes Upgrade sorgt dafür, dass ungültige Nachrichten trotzdem als gültig behandelt werden.
Ein Merkle-Beweis ist eine kompakte kryptografische Methode, um nachzuweisen, dass bestimmte Daten Teil eines größeren Datensatzes sind, zum Beispiel der Daten in einem Block. Wenn eine Bridge so einen Beweis falsch prüft, kann ein Angreifer möglicherweise ein Ereignis akzeptieren lassen, das nie gültig stattgefunden hat.
Nicht jeder Angriff läuft also über gestohlene Schlüssel, und nicht jede Bridge funktioniert gleich. Um das Risiko zu verstehen, musst du dir das konkrete Verifizierungs- und Sicherheitsmodell der Bridge ansehen.
Welche Schwachstellen kommen häufig vor?
Viele Bridge-Angriffe lassen sich grob in einige Kategorien einteilen: Fehler bei Zugriffsrechten, Fehler in der Logik, Probleme bei der Nachrichtenverifizierung und operative Sicherheitsprobleme.
Permission Issues betreffen die Frage, wer welche Handlungen ausführen darf. Vielleicht hat ein Administratorkonto zu viele Rechte, Validator-Konten sind nicht ausreichend geschützt oder Befugnisse können falsch angepasst werden. Gerade bei einer kleinen Validator- oder Multisig-Gruppe kann das ein großes Risiko sein. Wenn genügend Unterzeichner zusammenarbeiten oder kompromittiert werden, können sie unzulässige Auszahlungen autorisieren.
Logic Issues sind Fehler in den Regeln von Smart Contracts. Ein Contract verarbeitet zum Beispiel eine Nachricht, ohne alle Bedingungen zu prüfen, oder Minting und Freigabe sind falsch eingerichtet. Auch Fehler bei einem Upgrade oder bei der Initialisierung eines Contracts können darunter fallen.
Message Verification Issues entstehen, wenn eine Bridge nicht ausreichend prüft, ob eine Cross-Chain-Nachricht tatsächlich gültig ist. Eine Bridge kann zum Beispiel die falsche Quelle akzeptieren, einen kryptografischen Beweis falsch prüfen oder eine Nachricht ausführen, die auf der Quell-Blockchain nie gültig entstanden ist.
Key Management Issues entstehen, wenn private keys von Validatoren, Administratoren oder Multisig-Unterzeichnern gestohlen werden oder nicht ausreichend geschützt sind. Die Smart Contracts können technisch korrekt funktionieren, während ein Angreifer trotzdem gültige Signaturen mit gestohlenen Schlüsseln erzeugen kann.
Auch Replay Attacks sind ein bekanntes Risiko. Dabei wird eine zuvor gültige Nachricht erneut verwendet. Eine Bridge muss deshalb prüfen, dass jede Nachricht nur einmal verarbeitet werden kann. Eine eindeutige Message-ID, Nonce oder ein Hash kann dabei helfen.
Ein Audit kann helfen, Schwachstellen zu finden, ist aber keine Garantie dafür, dass eine Bridge fehlerfrei ist. Gerade nach Upgrades, geänderten Einstellungen oder Veränderungen in der Off-Chain-Infrastruktur können neue Risiken entstehen.
Welche Rolle spielen Frontends und Phishing?
Nicht jeder Verlust bei der Nutzung einer Bridge bedeutet, dass die Bridge selbst ausgenutzt wurde. Angreifer können auch versuchen, Nutzer über eine gefälschte Website oder Oberfläche zu täuschen.
Eine Fake-Oberfläche kann dich zum Beispiel dazu bringen, eine Transaktion an einen falschen Smart Contract zu senden oder eine Erlaubnis zu geben, Tokens aus deinem Wallet zu verwenden. Die technische Infrastruktur der Bridge kann dabei vollständig intakt bleiben.
Der Unterschied ist wichtig: Bei einem Bridge-Exploit wird eine Schwachstelle in der Bridge oder der Infrastruktur darum herum ausgenutzt. Bei Phishing wird meist der Nutzer dazu gebracht, selbst eine schädliche Handlung zu bestätigen.
Wie können private keys und Smart Contracts eine Rolle spielen?
Private keys und Smart Contracts sind wichtige Bestandteile vieler Bridges. Ein Problem in einem von beiden kann bereits ernste Folgen haben.
Ein private key ist ein geheimer Schlüssel, mit dem Transaktionen oder kryptografische Signaturen erstellt werden können. Wenn eine Bridge zum Beispiel eine Auszahlung erst ausführt, nachdem mehrere Validatoren unterschrieben haben, entsteht ein großes Risiko, wenn ein Angreifer genügend dieser Schlüssel in die Hände bekommt. Der Angreifer kann dann betrügerische Bridge-Anweisungen genehmigen lassen, als wären sie legitim.
Eine Multisig verlangt, dass mehrere Parteien unterschreiben, bevor eine Aktion ausgeführt wird. Das kann sicherer sein als ein einzelnes Administratorkonto, ist aber nicht automatisch sicher. Die Schwelle muss sinnvoll gewählt sein, die Unterzeichner müssen ausreichend unabhängig sein und private keys müssen gut geschützt werden.
Bei dem Ronin-Bridge-Angriff wurden im März 2022 genügend Validator-Keys kompromittiert, um unautorisierte Abhebungen zu genehmigen. Am Ende wurden 173.600 ETH und 25,5 Millionen USDC aus der Bridge abgezogen. Das Bridge-Design wurde danach angepasst und es kamen zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen hinzu.
Beim Harmony-Horizon-Bridge-Vorfall wurden im Juni 2022 mindestens zwei der vier private keys der Bridge-Validatoren kompromittiert. Harmony teilte mit, dass es keine Hinweise darauf gebe, dass die Bridge-Smart-Contracts oder das Blockchain-Protokoll selbst betroffen gewesen seien. Der Vorfall zeigt, dass eine Bridge kompromittiert werden kann, ohne dass zwingend ein Fehler im On-Chain-Contract vorliegt.
Smart Contracts bilden wiederum die On-Chain-Regeln vieler Bridges. Sie prüfen zum Beispiel Signaturen oder kryptografische Beweise und führen dann Aktionen aus, etwa Tokens minten, verbrennen, sperren oder freigeben. Wenn diese Prüfungen falsch entworfen oder implementiert sind, kann ein Angreifer manchmal Tokens erzeugen oder Reserven abziehen, ohne dass eine gültige zugrunde liegende Transaktion vorliegt.
Guter Schutz erfordert deshalb sowohl sichere Smart Contracts als auch ein starkes Schlüsselmanagement.
Welche Folgen hat ein Cross-Chain-Bridge-Exploit?
Ein Cross-Chain-Bridge-Exploit kann dazu führen, dass Reserven verschwinden, Liquiditätspools leer laufen oder Wrapped Tokens nicht mehr vollständig gedeckt sind.
Letzteres kann große Folgen haben. Ein Wrapped Token sollte bei einer Lock-and-Mint-Bridge normalerweise durch Reserven auf einer anderen Blockchain gedeckt sein. Wenn diese Besicherung verschwindet, kann die Möglichkeit, den Wrapped Token gegen den ursprünglichen Asset einzutauschen, unter Druck geraten. Das kann auch Protokolle betreffen, in denen der Token als Besicherung, Handelsobjekt oder Liquidität verwendet wird.
Projektteams können eine Bridge manchmal vorübergehend pausieren, um weiteren Schaden zu begrenzen. Nach dem Nomad-Exploit im August 2022 wurde zum Beispiel die weitere Verarbeitung gestoppt, nachdem durch einen Fehler bei der Initialisierung ungültige Nachrichten als gültig behandelt werden konnten. Bei dem Vorfall wurden rund 190 Millionen Dollar an Assets aus der Bridge abgezogen.
Beim Exploit des BNB Chain Token Hub im Oktober 2022 wurde ein gefälschtes kryptografisches Beweisstück verwendet, wodurch rund 2 Millionen zusätzliche BNB erzeugt werden konnten. BNB Chain koordinierte sich mit Validatoren, um die Blockchain vorübergehend anzuhalten und weiteren Schaden zu begrenzen. Ein großer Teil der betroffenen BNB blieb dadurch unter Kontrolle.
Blockchain-Transaktionen lassen sich in der Regel nicht einfach von einer zentralen Partei rückgängig machen, wie etwa eine traditionelle Banküberweisung. Das bedeutet aber nicht, dass nie eingegriffen werden kann. Je nach Netzwerk können Validatoren, Projektteams, Token-Emittenten oder Governance manchmal Maßnahmen ergreifen, um weitere Transaktionen zu stoppen, Assets zu blockieren oder andere Wiederherstellungsmaßnahmen umzusetzen.
Eine vorübergehende Pause kann weiteren Schaden begrenzen, hat aber auch Nachteile. Nutzer können möglicherweise vorübergehend nicht bridgen oder ihre Tokens nicht zurückholen. Außerdem bedeutet ein Notstopp, dass bestimmte Administratoren, Validatoren oder Guardians Einfluss haben, um Teile des Systems zu verlangsamen oder anzuhalten.
Ob Nutzer nach einem Exploit entschädigt werden, steht nicht fest. Das hängt unter anderem von verfügbaren Reserven, Versicherungen, Entscheidungen des Projekts, Governance und der Frage ab, ob gestohlene Mittel zurückgeholt werden können.
Ein großer Bridge-Exploit kann außerdem das Vertrauen in ein Projekt oder einen gebridgten Asset beeinträchtigen. Das kann sich auf die Liquidität und möglicherweise auch auf den Marktpreis auswirken, aber der Effekt unterscheidet sich je nach Vorfall und Marktumfeld.
Neben dem direkten finanziellen Verlust kann eine Bridge dadurch lange Zeit weniger nutzbar sein. Liquidität kann abnehmen, Wrapped Tokens können schwerer einlösbar werden und Nutzer könnten zurückhaltender sein, die Bridge erneut zu verwenden.
Welche bekannten Cross-Chain-Bridge-Exploits gibt es?
Es gab mehrere große Bridge-Exploits. Die technische Ursache unterschied sich je nach Vorfall.
- Poly Network: Im August 2021 wurden bei Poly Network durch das Ausnutzen der Cross-Chain-Infrastruktur Kryptowährungen im Wert von mehr als 600 Millionen Dollar verschoben. Ein großer Teil der Mittel wurde später zurückgegeben.
- Wormhole: Im Februar 2022 wurde eine Schwachstelle in Wormhole auf Solana ausgenutzt, um Wrapped ETH ohne die erforderliche zugrunde liegende Deckung zu erzeugen. Der Angreifer verschob anschließend einen Teil der Assets zu Ethereum.
- Ronin-Bridge: Im März 2022 wurden Validator-Keys kompromittiert, wodurch der Angreifer unautorisierte Abhebungen genehmigen konnte. Insgesamt wurden 173.600 ETH und 25,5 Millionen USDC aus der Bridge abgezogen.
- Harmony Horizon Bridge: Im Juni 2022 wurden mindestens zwei private keys von Bridge-Validatoren kompromittiert. Bei dem Vorfall wurden Kryptowährungen im Wert von rund 100 Millionen Dollar entwendet.
- Nomad: Im August 2022 führte ein Fehler rund um die Initialisierung des Replica-Contracts dazu, dass nicht nachgewiesene Nachrichten als gültig behandelt werden konnten. Dadurch konnten verschiedene Adressen Transaktionen kopieren und Assets aus der Bridge abziehen. Der Gesamtschaden betrug rund 190 Millionen Dollar.
- BNB Chain Token Hub: Im Oktober 2022 war die native Bridge zwischen BNB Beacon Chain und BNB Smart Chain betroffen. Durch das Fälschen eines Low-Level-Proofs konnten rund 2 Millionen zusätzliche BNB erzeugt werden.
Die Beträge bei solchen Vorfällen sollten aber im Kontext gesehen werden. Ein genannter Betrag kann sich auf den Marktwert geminter Tokens, tatsächlich abgezogene Reserven, vorübergehend blockierte Assets oder Beträge beziehen, die später zurückgeholt wurden. Da sich Kryptopreise bewegen, kann auch der gemeldete Dollarwert je nach Messzeitpunkt abweichen.
Wie können Cross-Chain-Bridge-Exploits verhindert werden?
Cross-Chain-Bridge-Exploits lassen sich nicht vollständig verhindern, aber mehrere unabhängige Sicherheitsebenen können die Wahrscheinlichkeit eines erfolgreichen Angriffs und den maximalen Schaden verringern.
Die Grundlage ist eine strikte Verifizierung. Eine Bridge muss unter anderem prüfen, woher eine Nachricht kommt, ob sie gültig ist, für welche Aktion sie gedacht ist und ob sie nicht schon früher verwendet wurde. Erst danach darf ein Contract zum Beispiel Tokens minten oder Reserven freigeben.
Auch das Trust-Modell zählt. Eine Bridge, die von einer kleinen externen Validator- oder Multisig-Gruppe abhängt, hat ein anderes Risikoprofil als eine Bridge, die Cross-Chain-Informationen etwa über Light Clients verifiziert. Kein Design ist völlig risikofrei.
Außerdem können Maßnahmen helfen, den maximalen Schaden zu begrenzen:
- Rate Limits begrenzen, wie viel Wert innerhalb eines bestimmten Zeitraums verschoben werden kann.
- Abhebungslimits setzen eine Obergrenze für Auszahlungen.
- Circuit Breakers können ungewöhnliche Aktivität automatisch bremsen oder stoppen.
- Pause-Funktionen können bestimmte Bridge-Aktivitäten während eines Vorfalls vorübergehend anhalten.
- Monitoring kann auffällig große oder ungewöhnliche Bridge-Nachrichten schneller erkennen.
So eine Notbremse löst die zugrunde liegende Schwachstelle nicht. Sie kann aber verhindern, dass ein Angreifer in kurzer Zeit alle verfügbaren Reserven abzieht.
Audits, Bug Bounties, Code Reviews und umfangreiche Tests sind ebenfalls wichtig. Sie funktionieren am besten in Kombination mit laufendem Monitoring, sicherem Schlüsselmanagement und einem im Voraus vorbereiteten Incident-Plan.
Welche Sicherheitsmaßnahmen können Entwickler ergreifen?
Entwickler können das Risiko senken, indem sie Verifizierung, Zugriffsrechte, Schlüsselmanagement und Notfallmaßnahmen von Anfang an streng aufsetzen.
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Prüfe jede Nachricht vollständig. Prüfe unter anderem die Quell-Blockchain, den Absender, die Nonce oder eindeutige Message-ID, das Ziel und die erlaubte Funktion. So verhinderst du, dass eine Nachricht aus der falschen Quelle kommt oder für eine andere Aktion wiederverwendet wird.
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Baue Replay-Schutz ein. Markiere eine verarbeitete Nachricht als verwendet und akzeptiere sie nicht erneut. Das hilft gegen Replay Attacks, bei denen derselbe Auftrag mehrfach ausgeführt wird.
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Vergib so wenige Rechte wie möglich. Nutze das Prinzip der geringsten Rechte. Nicht jedes Konto muss Contracts upgraden, Validatoren ändern, Tokens minten oder einen Notstopp auslösen können. Je weniger Befugnisse ein Konto hat, desto kleiner ist der potenzielle Schaden, wenn es kompromittiert wird.
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Schütze Administratorkonten mit einer Multisig. Nutze für sensible Verwaltungsaktionen, wo passend, mehrere unabhängige Unterzeichner statt eines einzelnen externally owned account mit einem privaten Schlüssel. Eine Multisig ist dabei nur dann sinnvoll, wenn die Unterzeichner und ihre Schlüssel tatsächlich ausreichend unabhängig sind.
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Nutze einen Timelock für risikoreiche Änderungen. Ein Timelock baut eine Wartezeit ein, bevor ein Upgrade oder ein Governance-Beschluss ausgeführt wird. Dadurch können Änderungen vorher geprüft werden und verdächtige Aktivität kann früher auffallen.
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Teste mehr als nur den Normalfall. Lass unabhängige Audits durchführen, teste aber auch Upgrades, Initialisierung, fehlerhafte Eingaben, Grenzfälle und die Verifizierung von Beweisen. Der Nomad-Exploit zeigt, wie gravierend ein Fehler bei einem Upgrade oder einer Initialisierung ausfallen kann.
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Bereite die Incident-Response im Voraus vor. Nutze Monitoring, Anomalieerkennung, Rate Limits und, wo passend, einen kontrollierten Notstopp. Lege vorher fest, wer eingreifen darf, welche Maßnahmen möglich sind und wie während eines Vorfalls kommuniziert wird.
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Verwalte private keys sorgfältig. Halte die Schlüssel von Validatoren und Administratoren getrennt und gut geschützt. Sorge außerdem für Verfahren, mit denen Unterzeichner kontrolliert hinzugefügt, entfernt und ersetzt werden können.
Ein Audit oder Bug Bounty ist dabei kein Sicherheitszertifikat. Neue Upgrades, Off-Chain-Relayer, Konfigurationsänderungen und die tägliche Sicherheit der private keys bleiben separate Risiken.
Wie können Nutzer Risiken begrenzen?
Du kannst als Nutzer die Sicherheit einer Bridge nicht selbst festlegen, aber du kannst begrenzen, wie viel Risiko du über eine Bridge eingehst.
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Schau dir das Trust-Modell an. Prüfe, welche Bridge du nutzt und wie Cross-Chain-Nachrichten verifiziert werden. Schau zum Beispiel, ob eine externe Validatorengruppe, Multisig, Light Client oder ein anderes Verifizierungsmodell verwendet wird.
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Nutze die richtige Oberfläche. Öffne die Bridge über einen vertrauenswürdigen und geprüften Projektkanal. Prüfe vor dem Signieren einer Transaktion unter anderem die URL, die Blockchain, die Empfangsadresse und den Token, den du sendest.
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Unterschreibe nicht blind. Prüfe, was eine Transaktion oder Nachricht macht, bevor du sie signierst. Blind Signing kann dich Phishing, einem bösartigen Contract oder unerwünschten Berechtigungen aussetzen.
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Begrenze Token-Approvals. Gib, wenn möglich, nur die Zustimmung für den Betrag, den du brauchst. Eine Token-Approval kann on-chain aktiv bleiben, bis sie geändert oder widerrufen wird.
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Widerrufe ungenutzte Approvals. Prüfe alte Spending Caps und widerrufe sie, wenn du sie nicht mehr brauchst. Nur deine Krypto Wallet von einer dApp zu trennen, entfernt bestehende Token-Approvals nicht.
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Begrenze deine Exponierung. Eine kleine Testtransaktion kann helfen, zum Beispiel die Adresse, die Oberfläche und die gewählte Route zu prüfen. So ein Test beweist aber nicht, dass die Bridge selbst sicher ist.
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Behalte das Risiko von gebridgten Tokens im Blick. Nach einem Exploit können Wrapped Tokens vorübergehend schwer einlösbar oder weniger liquide sein. Je länger und je mehr Wert über eine einzelne Bridge von den zugrunde liegenden Reserven abhängt, desto größer ist die Exponierung gegenüber diesem spezifischen Bridge-Risiko.
Prüfe außerdem aktuelle offizielle Vorfallmeldungen und Sicherheitswarnungen, bevor du eine Bridge nutzt.
Fazit
Eine Cross-Chain-Bridge macht es möglich, Tokens, Nachrichten und andere Daten zwischen Blockchains auszutauschen, fügt dabei aber auch eine zusätzliche Sicherheitsebene hinzu. Schwachstellen können unter anderem bei der Verifizierung von Cross-Chain-Nachrichten, bei Zugriffsrechten, privaten keys, Konfiguration und Smart Contracts entstehen.
Die Folgen können groß sein, weil Bridges oft erhebliche Mengen an Kryptowährungen verwalten oder für die Deckung von Wrapped Tokens verantwortlich sind. Vorfälle bei unter anderem Poly Network, Wormhole, Ronin, Harmony, Nomad und BNB Chain zeigen außerdem, dass Bridge-Exploits auf sehr unterschiedliche Weise entstehen können.
Für Entwickler geht es bei guter Sicherheit deshalb um mehrere unabhängige Ebenen: strikte Verifizierung, Replay-Schutz, eingeschränktes Management, sicheres Schlüsselmanagement, Monitoring und einen vorbereiteten Incident-Plan. Für Nutzer ist es vor allem wichtig zu verstehen, welches Trust-Modell eine Bridge verwendet, die richtige Oberfläche zu prüfen und die zusätzlichen Risiken von gebridgten Assets zu berücksichtigen.
Bridges spielen in einem Ökosystem mit mehreren Blockchains eine wichtige Rolle, sind aber nicht risikofrei. Je besser du verstehst, wie eine Bridge Ereignisse auf einer anderen Blockchain prüft und von welchen Parteien oder Systemen diese Verifizierung abhängt, desto besser kannst du ihr Sicherheitsmodell einschätzen.