Neue Box-3-Steuer auf Krypto ab 2028 in den Niederlanden: was ändert sich und was bedeutet das für dich?

Neue Box-3-Regeln in den Niederlanden

Ab dem 1. Januar 2028 ändert sich die Art und Weise, wie Vermögen in den Niederlanden in Box 3 besteuert wird. Das bestehende System, bei dem ein fiktiver Ertrag zugrunde gelegt wird, wird durch eine Steuer auf den tatsächlichen Ertrag ersetzt, einschließlich nicht realisierter Erträge. Dies ist eine grundlegende Veränderung für niederländische traditionelle Anleger und Krypto-Anleger.

In diesem Artikel erklären wir ausführlich, was dies für dich bedeutet und wie viel du möglicherweise zahlen musst, anhand klarer Beispiele. Bitte beachte: Dieser Artikel wurde auf Grundlage der derzeit verfügbaren Informationen verfasst. Es gibt viel Kritik an dem Vorschlag und der Plan muss noch vom Senat geprüft werden. Es ist möglich, dass noch Änderungen vorgenommen werden. Am 25. Februar teilte Finanzminister Eelco Heinen mit, dass man wieder an das Reißbrett zurückkehren werde, um den Gesetzesentwurf zu überarbeiten.

Was fällt unter Box 3?

Box 3 ist die Steuerkategorie für Privatvermögen. Es geht dabei nicht um Einkommen aus Arbeit (Box 1) oder Einkommen aus einer eigenen BV (Box 2), sondern um Vermögen, das du als Privatperson hältst.

Unter Box 3 fallen unter anderem:

  • Kryptowährungen
  • Aktien und ETFs
  • Anleihen
  • Investmentfonds
  • Sparguthaben
  • Zweitwohnungen (nicht dein Eigenheim)
  • Forderungen (wie verliehenes Geld)

Schulden dürfen unter bestimmten Voraussetzungen vom steuerpflichtigen Vermögen abgezogen werden. Außerdem gilt pro Person ein steuerfreier Freibetrag. Nur das Vermögen oberhalb dieses Freibetrags wird besteuert.

Warnung: Die Informationen in diesem Artikel dienen ausschließlich zu Informationszwecken und stellen keine finanzielle oder steuerliche Beratung dar. Obwohl der Inhalt sorgfältig zusammengestellt wurde und auf verschiedenen Quellen basiert, kann eine Unrichtigkeit oder falsche Interpretation nicht ausgeschlossen werden. Führe immer deine eigene Recherche durch und konsultiere einen Finanzberater oder Steuerberater, bevor du Anlageentscheidungen triffst. Investitionen in Krypto-Assets bergen ein Verlustrisiko.

Was ändert sich in Box 3?

Um gut zu verstehen, was sich in Box 3 ändern wird, stellen wir zunächst die aktuelle Situation für Anleger klar dar.

Die aktuelle Situation (bis einschließlich 31. Dezember 2027)

Bis einschließlich 2027 wird Vermögen in Box 3 auf Grundlage eines fiktiven Ertrags besteuert (5,88% für Anlagen im Jahr 2025). Das bedeutet, dass der Staat nicht darauf schaut, was du tatsächlich verdient hast, sondern von einem angenommenen Prozentsatz an Ertrag auf dein Vermögen ausgeht.

Ob dein Krypto im Wert gestiegen, gefallen oder gleich geblieben ist, spielt für die Steuer grundsätzlich keine Rolle. Die Steuerbehörde rechnet mit festen Erträgen pro Vermögenskategorie. Im Fall von Anlagen sind das 5,88% im Jahr 2025. Anschließend beträgt der Steuersatz in Box 3 in den Jahren 2025 und 2026 36%.

Normalerweise wird in Box 3 zunächst der steuerfreie Freibetrag abgezogen und werden eventuelle Schulden vom steuerpflichtigen Vermögen in Abzug gebracht.

Der steuerfreie Freibetrag im aktuellen System

Im Jahr 2026 beträgt der steuerfreie Freibetrag 59.357 € pro Person (118.714 € für steuerliche Partner zusammen).

Das bedeutet, dass dieser Betrag zuerst von deinem gesamten Box-3-Vermögen abgezogen wird. Nur das Vermögen oberhalb dieser Grenze zählt für die Steuerberechnung.

Die Systematik bis einschließlich 2027 lautet also:

Gesamte Vermögenswerte – Schulden – steuerfreier Freibetrag = steuerpflichtige Bemessungsgrundlage

Auf diese steuerpflichtige Bemessungsgrundlage wird anschließend ein fiktiver Ertrag berechnet, auf den 36% Steuern gezahlt werden. Im aktuellen System zahlst du also indirekt Steuern auf dein Vermögen, nicht auf deinen tatsächlichen Gewinn.

Angenommen:

  • Du besitzt 60.000 € Sparguthaben.
  • Du besitzt 100.000 € an Krypto.
  • Keine Schulden.
  • Steuerfreier Freibetrag: 59.357 €.

Wie funktioniert es jetzt?

Nachfolgend wird der Prozess des aktuellen Systems bis Ende 2027 in der Praxis erläutert.

Schritt 1: Gesamtvermögen bestimmen

Du hast 60.000 € Sparguthaben und 100.000 € in Krypto. Dann beträgt dein Gesamtvermögen 160.000 €. Dieser Betrag gilt als dein „gesamtes Box-3-Vermögen“.

Schritt 2: Steuerfreien Freibetrag abziehen

Der steuerfreie Freibetrag beträgt 59.357 €. Diesen Betrag musst du von deinem Gesamtvermögen abziehen. In diesem Beispiel bedeutet das also: 160.000 € – 59.357 € = 100.643 €. Mit anderen Worten: Es verbleibt eine steuerpflichtige Bemessungsgrundlage von 100.643 €.

Schritt 3: Fiktiven Ertrag berechnen (Anlageteil)

Der Einfachheit halber betrachten wir nur den fiktiven Anlageertrag von 5,88%. 5,88% von 100.643 € sind 5.917,81 €. Dieser Betrag gilt als dein „steuerpflichtiger Ertrag“. Dein steuerpflichtiger Ertrag ist der tatsächliche Betrag, der von der Steuerbehörde besteuert wird.

Schritt 4: Steuer berechnen

Der letzte Schritt ist die Berechnung der zu zahlenden Steuer. Der aktuelle Steuersatz in Box 3 beträgt 36%. 36% von 5.917,81 € sind 2.130,41 €. Du zahlst also etwa 2.130 € Steuern, unabhängig davon, ob du mit deinem Krypto tatsächlich Gewinn gemacht hast.

Neue Situation (ab 2028)

Ab dem 1. Januar 2028 stellt die Niederlande auf eine sogenannte Vermögenszuwachssteuer in Box 3 um.

Achtung, das neue System befindet sich noch in der Entwicklung:
Das neue Box-3-System wurde von der Zweiten Kammer verabschiedet und ist für die Einführung zum 1. Januar 2028 vorgesehen. Die genaue Ausgestaltung kann jedoch noch über den Steuerplan 2028 geändert werden.
Darüber hinaus gibt es Kritik an der Umsetzbarkeit und an der Besteuerung nicht realisierter Gewinne, insbesondere bei volatilen Anlagen wie Krypto.
Die in diesem Artikel genannten Beträge und die Systematik basieren auf dem aktuellen Gesetzesentwurf. Endgültige Regeln können noch angepasst werden.

Was ändert sich beim steuerfreien Freibetrag?

Laut dem aktuellen Gesetzesentwurf wird der steuerfreie Freibetrag abgeschafft. Stattdessen wird ein sogenanntes steuerfreies Ergebnis eingeführt, das nach aktuellem Stand etwa 1.800 € pro Person und Jahr beträgt.

Das bedeutet, dass nicht mehr ein Teil deines Vermögens steuerfrei ist, sondern ein Teil deiner jährlichen Rendite. Dies ist eine grundlegende Änderung der Systematik.

Dabei wird nicht mehr auf einen fiktiven Ertrag geschaut, sondern auf den tatsächlich erzielten Ertrag deines Vermögens innerhalb eines Kalenderjahres. Für Krypto-Investoren ist dies eine fundamentale Systemänderung mit großen Auswirkungen auf ihre Anlagen.

Was wird genau besteuert?

Ab 2028 betrachtet die Steuerbehörde alles, was dein Vermögen in einem Kalenderjahr beeinflusst. Für Krypto bedeutet das, dass das gesamte jährliche Ergebnis berechnet wird auf Basis von:

  1. Kurssteigerungen (Wertveränderung im Laufe des Jahres)
  2. Kursrückgängen (negative Rendite)
  3. Direkten Erträgen wie Staking-Rewards
  4. Sonstigen Vorteilen aus Krypto (zum Beispiel Lending-Erträge)

Dies gilt nicht nur für Krypto, sondern für sämtliches Vermögen in Box 3, wie Aktien, ETFs, Sparguthaben und eine Zweitwohnung. Deine eigene Wohnung fällt nicht unter Box 3, sondern unter Box 1.

Die größte Veränderung: Nicht realisierte Gewinne werden besteuert

Die wichtigste und einschneidendste Änderung für Krypto-Investoren ist, dass auch nicht realisierte Gewinne besteuert werden.

Nicht realisierte Gewinne bedeuten, dass deine Krypto im Wert steigt, ohne dass du verkaufst. Im alten System spielte es kaum eine Rolle, ob du verkauft hast oder nicht, da mit fiktiven Erträgen gearbeitet wurde. Ab 2028 ändert sich das grundlegend.

Der Besteuerungszeitpunkt verschiebt sich auf die jährliche Wertveränderung. Der Verkauf ist steuerlich nicht mehr ausschlaggebend. Die Wertsteigerung selbst ist der steuerpflichtige Tatbestand.

Wie wird die Rendite berechnet?

Die Steuerbehörde betrachtet alle Vermögensbestandteile innerhalb von Box 3. Das bedeutet:

  • Krypto
  • Aktien und ETFs
  • Sparguthaben (ausschließlich Zinsen auf Sparguthaben, keine Wertsteigerung durch zusätzliche Einlagen)
  • Investmentfonds
  • Eine Zweitwohnung
  • Andere Anlagen

Schulden dürfen unter bestimmten Voraussetzungen vom Box-3-Vermögen abgezogen werden.

Für jeden Vermögensbestandteil wird die Rendite berechnet:

Endwert – Anfangswert + erhaltene Erträge = Rendite pro Bestandteil

Anschließend werden alle positiven und negativen Renditen innerhalb von Box 3 zusammengezählt. Von dieser Gesamtrendite wird das steuerfreie Ergebnis von circa 1.800 € pro Person abgezogen. Nur auf den verbleibenden Betrag zahlst du 36% Steuern. Um die Berechnungen etwas greifbarer zu machen, folgen hier konkrete Beispiele für Krypto-Investoren mit verschiedenen Szenarien:

Wie funktioniert das neue Box-3-System?

Nachfolgend nennen wir drei Beispiele dafür, wie das neue Box-3-System in der Praxis aussieht.

Beispiel 1 – Nur Kurssteigerung

Im neuen System betrachtet die Steuerbehörde ausschließlich den „auf dem Papier“ erzielten Gewinn, unabhängig davon, ob du ihn dir hast auszahlen lassen oder nicht. Es kann also theoretisch passieren, dass du Steuern auf Geld zahlen musst, das du selbst noch nicht erhalten hast. Dies ist auch einer der Gründe, warum es darüber Diskussionen gibt.

Nun zum Beispiel, angenommen du hast:

  • Krypto im Wert von 100.000 € am 1. Januar
  • Der Wert ist am 31. Dezember auf 140.000 € gestiegen (also auf dem Papier 40% Gewinn)
  • Du hast noch nichts verkauft und betreibst auch kein Staking

Die Wertsteigerung beträgt also 40.000 €. Es gilt ein steuerfreies Ergebnis von 1.800 € pro Person. Das steuerfreie Ergebnis darfst du von der Wertsteigerung abziehen, wodurch deine steuerpflichtige Rendite in diesem Beispiel 38.200 € beträgt. Auf diesen Betrag musst du 36% Steuern zahlen, was 13.752 € entspricht. Du zahlst also 13.752 € Steuern, obwohl du nichts verkauft hast. Angenommen, du hast keine 13.752 € auf deinem Sparkonto, dann musst du also deine Positionen verkaufen, nur um die Steuer zahlen zu können.

Beispiel 2 – Kurssteigerung + Staking

Im neuen System betrachtet die Steuerbehörde die gesamte tatsächliche Rendite. Das bedeutet, dass nicht nur die Wertsteigerung deiner Krypto zählt, sondern auch eventuelle Einnahmen wie Staking-Rewards. Auch diese Einnahmen werden besteuert, unabhängig davon, ob du sie in Euro umgewandelt hast oder nicht.

Nun zum Beispiel, angenommen du hast:

  • Krypto im Wert von 100.000 € am 1. Januar
  • Der Wert ist am 31. Dezember auf 130.000 € gestiegen
  • Du hast zusätzlich 5.000 € an Staking-Rewards erhalten
  • Du hast nichts verkauft

Die Wertsteigerung beträgt 30.000 €. Addierst du die erhaltenen Staking-Rewards von 5.000 € hinzu, ergibt sich eine Gesamtrendite von 35.000 €. Es gilt ein steuerfreies Ergebnis von 1.800 € pro Person. Das steuerfreie Ergebnis darfst du von der Gesamtrendite abziehen, wodurch deine steuerpflichtige Rendite in diesem Beispiel 33.200 € beträgt.

Auf diesen Betrag musst du 36% Steuern zahlen, was 11.952 € entspricht. Du zahlst also 11.952 € Steuern, obwohl du nichts verkauft hast. Auch hier gilt, dass du möglicherweise (einen Teil) deiner Position verkaufen musst, wenn du nicht über ausreichend liquide Mittel verfügst, um die Steuer zu zahlen.

Beispiel 3 – Kursrückgang

Im neuen System wird die tatsächliche Rendite betrachtet. Das bedeutet, dass nicht nur Gewinne besteuert werden, sondern dass ein Verlust auch tatsächlich als negative Rendite berücksichtigt wird.

Nun zum Beispiel, angenommen du hast:

  • Krypto im Wert von 100.000 € am 1. Januar
  • Der Wert ist am 31. Dezember auf 75.000 € gefallen
  • Du hast keine sonstigen Erträge (wie Staking)

Nach Abzug des Endwerts vom Anfangswert verbleibt eine Wertminderung von 25.000 €. Deine Gesamtrendite beträgt somit – 25.000 €.

Da die Gesamtrendite negativ ist, zahlst du in diesem Jahr keine Steuern in Box 3. Darüber hinaus kann ein negatives Box-3-Ergebnis laut Gesetzesentwurf unter bestimmten Voraussetzungen mit zukünftigen positiven Renditen verrechnet werden. Das bedeutet, dass du diesen Verlust möglicherweise nutzen kannst, um in späteren Jahren weniger Steuern zu zahlen, wenn du wieder eine positive Rendite erzielst.

Was passiert bei starker Volatilität?

Krypto ist bekannt für große Preisschwankungen. Im neuen Box-3-System ist es entscheidend zu verstehen, dass die Steuerbehörde pro Kalenderjahr auf deine Rendite schaut. Jedes Jahr wird separat besteuert. Es wird also nicht auf deinen Gesamtgewinn über mehrere Jahre geschaut, sondern auf die Wertveränderung innerhalb eines Jahres (1. Januar bis einschließlich 31. Dezember).

Die Auswirkungen von Volatilität

Um ein klares Beispiel dafür zu geben, wie Volatilität in Kombination mit dem neuen Box-3-System große Auswirkungen auf dein Vermögen haben kann, haben wir unten ein Beispiel ausgearbeitet:

Jahr 1 – Starker Anstieg

Im ersten Jahr kommt es zu einem deutlichen Kursanstieg.

Angenommen, du hast:

  • Krypto im Wert von 200.000 € am 1. Januar
  • Der Wert ist am 31. Dezember auf 350.000 € gestiegen
  • Du hast nichts verkauft und keine sonstigen Erträge

Die Wertsteigerung beträgt 150.000 €. Es gilt ein steuerfreies Ergebnis von 1.800 € pro Person. Diesen Betrag darfst du vom Ertrag abziehen, wodurch sich ein steuerpflichtiger Ertrag von 148.200 € ergibt. Auf diesen Betrag musst du 36% Steuern zahlen: 36% × 148.200 € = 53.352 €

Du zahlst also 53.352 € Steuern für dieses Jahr, obwohl du nichts verkauft hast. Wenn du diese Steuer nicht aus anderen Mitteln bezahlen kannst, musst du (einen Teil) deiner Position verkaufen, um deiner Steuerpflicht nachzukommen.

Jahr 2 – Rückgang

Im zweiten Jahr dreht sich der Markt und der Wert deines Vermögens sinkt deutlich. Dies zeigt, wie Volatilität in Kombination mit einer jährlichen Besteuerung große Auswirkungen haben kann.

Angenommen, du hast:

  • Krypto im Wert von 350.000 € am 1. Januar
  • Der Wert ist am 31. Dezember auf 210.000 € gesunken
  • Du hast keine sonstigen Erträge

Die Wertminderung beträgt somit 140.000 €. Dein Gesamtertrag für dieses Jahr beläuft sich damit auf – 140.000 €.
Da der Ertrag negativ ist, zahlst du in diesem Jahr keine Box-3-Steuer. Schließlich wird nur auf positive Erträge Steuern erhoben.

Laut Gesetzesentwurf kann ein negatives Box-3-Ergebnis unter bestimmten Voraussetzungen mit zukünftigen positiven Erträgen verrechnet werden. Das bedeutet, dass du den Verlust möglicherweise nutzen darfst, um in späteren Jahren weniger Steuern zu zahlen. Es führt jedoch nicht zu einer Rückerstattung der 53.352 €, die du im Jahr 1 gezahlt hast.

Was bedeutet das über zwei Jahre hinweg?

Wenn wir nicht nur ein einzelnes Jahr betrachten, sondern das Gesamtbild über zwei Jahre, wird der Effekt von Volatilität in Kombination mit jährlicher Besteuerung erst richtig deutlich.

Stellen wir die Zahlen nebeneinander:

  • Wert zu Beginn von Jahr 1: 200.000 €
  • Wert am Ende von Jahr 2: 210.000 €
  • Gesamter Anstieg über zwei Jahre: 10.000 €

Auf dem Papier scheint es, als hättest du in zwei Jahren 10.000 € Gewinn gemacht.

Aber im Jahr 1 hast du 53.352 € Steuern auf den damals erzielten Buchgewinn gezahlt. Im Jahr 2 zahlst du keine Steuern, weil der Ertrag negativ war. Die zuvor gezahlten Steuern bekommst du jedoch nicht zurück.

Deine Netto-Position nach zwei Jahren beträgt somit:

210.000 € – 53.352 € = 156.648 €

Du hast mit 200.000 € begonnen.

Obwohl dein Portfolio auf dem Papier 10.000 € höher steht als zwei Jahre zuvor, hast du aufgrund der früheren Steuerzahlung tatsächlich 43.352 € weniger Vermögen als dein Startkapital.

Natürlich ist dies ein extremes Beispiel, aber es zeigt, welche Auswirkungen das neue Steuersystem auf Investitionen in volatilen Märkten haben kann.

Wie sieht es mit einer BV aus?

Wenn du Krypto privat hältst, fällt dies ab 2028 unter Box 3 und wird jährlich auf Basis der tatsächlichen Wertveränderungen besteuert.

Hältst du Krypto über eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (BV), fällt dies nicht unter Box 3, sondern unter die Körperschaftsteuer. Das bedeutet, dass nicht dein Vermögen besteuert wird, sondern der Gewinn des Unternehmens. Das ist ein grundlegend anderer Ansatz.

Wie wird der Gewinn in einer BV ermittelt?

In einer BV wird der Gewinn nach steuerlichen und handelsrechtlichen Vorschriften ermittelt. Dies geschieht über den jährlichen Jahresabschluss, der unter anderem aus der Bilanz sowie der Gewinn- und Verlustrechnung besteht.

Im Jahresabschluss wird ersichtlich, welche Vermögenswerte die BV besitzt, welche Verbindlichkeiten dem gegenüberstehen und welches Ergebnis im Geschäftsjahr erzielt wurde. Vermögenswerte werden nach bestimmten Bewertungsregeln angesetzt. Dazu gehören Bewertungsregeln für Investitionen, Vorräte oder Rückstellungen. Diese Regeln bestimmen, zu welchem Zeitpunkt und mit welchem Wert Positionen in der Buchhaltung erfasst werden.

Wichtig ist, dass nicht jede Wertsteigerung automatisch zu steuerpflichtigem Gewinn führt. In vielen Fällen gilt das Realisationsprinzip: Gewinn wird erst besteuert, wenn er tatsächlich realisiert wird, zum Beispiel durch Verkauf.

Das bedeutet:

  • Steigt der Wert von Krypto, ohne dass verkauft wird, entsteht häufig noch kein steuerpflichtiger Gewinn.
  • Wird Krypto mit Gewinn verkauft, wird dieser Gewinn Bestandteil des steuerlichen Jahresgewinns.

Bei aktivem Handel kann eine Bewertung zum Marktwert verpflichtend sein, wodurch nicht realisierte Gewinne doch im Ergebnis berücksichtigt werden. Die steuerliche Behandlung hängt also davon ab, wie die BV tatsächlich operiert.

Körperschaftsteuersätze

Eine BV zahlt Körperschaftsteuer auf ihren steuerlichen Jahresgewinn (derzeit 19% bis 200.000 € und 25,8% darüber).

Dies ist ein anderes System als die 36%-Besteuerung des Box-3-Ertrags. Der Unterschied liegt nicht nur im Steuersatz, sondern vor allem im Zeitpunkt, zu dem Gewinn entsteht und besteuert wird.

Zusätzliche Kosten und Verpflichtungen einer BV

Das Halten von Krypto über eine BV bringt neben anderen steuerlichen Regeln auch zusätzliche Verpflichtungen und Kosten mit sich. Eine BV muss eine ordnungsgemäße Buchführung führen, jährlich einen Jahresabschluss erstellen und eine Körperschaftsteuererklärung abgeben. Häufig beauftragst du dafür einen Buchhalter oder Steuerberater.

Bist du selbst Eigentümer und Geschäftsführer der BV, musst du dir in der Regel auch ein gesetzlich vorgeschriebenes Mindestgehalt auszahlen. Diese laufenden Kosten und Verpflichtungen beeinflussen, was du am Ende netto behältst. Eine BV ist daher nicht in jeder Situation vorteilhafter als das private Halten von Krypto.

Kann ich meine Krypto über meine BV halten?

Ja, du kannst Krypto über deine BV halten.

Wenn du Krypto direkt über deine BV kaufst und hältst:

  • Fällt die Krypto nicht unter Box 3.
  • Wird der Gewinn über die Körperschaftsteuer besteuert.
  • Zahlst du privat erst Steuern, wenn Gewinn ausgeschüttet wird (Box 2).

Das bedeutet, dass die Besteuerung in vielen Fällen bei Realisation erfolgt und nicht automatisch jährlich auf Basis von Wertveränderungen wie in Box 3.

Solange Gewinne innerhalb der BV verbleiben, werden sie nicht privat besteuert. Erst bei einer Dividendenausschüttung erfolgt eine Besteuerung in Box 2.

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Fazit

Die Einführung des neuen Box-3-Systems zum 1. Januar 2028 bedeutet eine grundlegende Änderung in der Art und Weise, wie Vermögen in den Niederlanden besteuert wird. Während bis einschließlich 2027 mit einem fiktiven Ertrag gearbeitet wurde, wird ab 2028 der tatsächliche Ertrag berücksichtigt, einschließlich nicht realisierter Wertsteigerungen.

Für Krypto-Investoren hat dies erhebliche Folgen. Kurssteigerungen werden jährlich besteuert, auch wenn kein Verkauf stattfindet. Gleichzeitig fließen Kursrückgänge und Erträge wie Staking-Rewards in das gesamte Box-3-Ergebnis ein. Da pro Kalenderjahr abgerechnet wird, können starke Schwankungen unmittelbare steuerliche Auswirkungen haben.

Das neue System macht deutlich, dass nicht mehr der Verkauf den Besteuerungszeitpunkt bestimmt, sondern die jährliche Wertentwicklung deines gesamten Vermögens. Für Anleger bedeutet dies, dass Rendite nicht nur finanziell, sondern auch steuerlich pro Jahr betrachtet werden muss. Eine gute Dokumentation und ein klarer Überblick über deine gesamte Box-3-Position werden damit wichtiger denn je.

Über Finst

Finst ist eine führende Kryptowährungsplattform in den Niederlanden und bietet ultra-niedrige Trading-Gebühren, Sicherheit auf institutionellem Niveau sowie ein umfassendes Paket an Krypto-Services wie Trading, Verwahrung (Custody), Staking und Fiat On-/Off-Ramp. Finst wurde vom ehemaligen Kernteam von DEGIRO gegründet, ist als Crypto-Asset Service Provider von der niederländischen Finanzaufsicht (AFM) zugelassen und bedient private sowie institutionelle Kunden in 30 europäischen Ländern.

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