Ein Blick hinter die Kulissen von Finst mit Julien Vallet bei LEGEND Business
Ein Smartphone, das seit 2017 nicht mehr mit dem Internet verbunden war, eine wiederhergestellte Krypto-Wallet im Wert von 266.000 € und ein Polizeieinsatz, der mit einem Dankeschön endete. Bei LEGEND Business berichtet Julien Vallet, unser CEO und Mitgründer, von ungewöhnlichen Situationen aus dem Alltag von Finst.
Im mehr als einstündigen Interview spricht er über den Start der Plattform nach dem Zusammenbruch von FTX, die Bekämpfung von Krypto-Betrug und seine Entscheidungen als Unternehmer. Seine Geschichten geben einen Einblick in die Verantwortung, die mit dem Betrieb einer Krypto-Plattform verbunden ist, der Kunden ihre Vermögenswerte anvertrauen.
266.000 € dank eines alten Smartphones wiedergefunden
Eines Tages betritt ein Kunde Anfang sechzig mit einem alten Smartphone das Büro von Finst in Amsterdam. Das Gerät war seit 2017 nicht mehr mit dem Internet verbunden. Er weiß, dass er damit auf Kryptowährungen zugreifen könnte, hat aber keine Ahnung, um welche es sich handelt, wie viel sie wert sind oder wie er wieder an sie herankommt.
Julien nimmt sich Zeit, um ihm zu helfen. Nach fast einer Stunde gelingt es, den Zugriff auf die Wallet wiederherzustellen. Auf dem Bildschirm erscheint ein Guthaben von 266.000 €. Der Kunde bricht in Tränen aus.
Einige Wochen später kommt er mit einer Flasche Champagner zurück und gibt ein Versprechen ab. Vielleicht wird er nie der größte Kunde von Finst, aber er möchte dem Unternehmen sein Leben lang treu bleiben.
Für Julien zeigt diese Begegnung, dass die Höhe der ersten Einzahlung niemals darüber entscheiden sollte, wie viel Aufmerksamkeit ein Kunde erhält.
„Jeder große Kunde hat einmal als kleiner Kunde angefangen.“
Self-Custody und die Verantwortung für den Zugriff
Die Geschichte des vergessenen Smartphones verdeutlicht auch eine Besonderheit von Kryptowährungen. Mit einer eigenen Wallet können Anleger die Kontrolle über ihre privaten Schlüssel behalten und ihre Vermögenswerte ohne einen Vermittler übertragen. Dieses Prinzip wird als Self-Custody bezeichnet.
Diese Unabhängigkeit bringt Verantwortung mit sich. Gehen die privaten Schlüssel und Wiederherstellungsinformationen verloren, kann der Zugriff auf die Vermögenswerte dauerhaft verloren sein. Ähnliche Schwierigkeiten können im Todesfall entstehen, insbesondere wenn Angehörige nichts von der Wallet wissen oder nicht wissen, wie sie darauf zugreifen können.
Die Entscheidung zwischen Self-Custody und der Verwahrung durch einen Dienstleister ist daher mit unterschiedlichen Verantwortlichkeiten verbunden. Juliens Geschichte zeigt, wie wichtig die Verwaltung der Zugangsdaten auch Jahre nach einer ersten Investition noch sein kann.
Der Start von Finst nach dem FTX-Zusammenbruch
Finst startete Anfang 2023, nur wenige Wochen nachdem FTX im November 2022 Insolvenz angemeldet hatte. Das Vertrauen in Krypto-Plattformen war erheblich erschüttert.
Im Interview erklärt Julien, dass dieses Ereignis seine Überzeugung bestärkte, dass die Krypto-Branche Plattformen benötigt, die sich stärker an den Standards traditioneller Finanzinstitute orientieren.
Die Trennung von Kundenvermögen und Unternehmensvermögen, transparente Preise, Sicherheit und die Einhaltung regulatorischer Anforderungen wurden deshalb zu zentralen Bestandteilen des Geschäftsmodells von Finst. Dieser Anspruch an Transparenz zeigt sich auch bei den Preisen, mit Handelsgebühren von 0,15% pro Transaktion und ohne zusätzlichen Spread.
Eine verdächtige Transaktion führt zu einem Polizeieinsatz
Auch die Betrugsprävention gehört zum Arbeitsalltag des Teams. Julien erzählt von einer Kundin in ihren Siebzigern, die einen größeren Geldbetrag eingezahlt hatte und diesen fast unmittelbar danach an eine externe Wallet übertragen wollte, die sie zuvor noch nie verwendet hatte.
Die ungewöhnliche Aktivität machte das Team aufmerksam. Bei der Prüfung der Identitätsverifizierung bemerkten die Mitarbeiter außerdem, dass eine weitere Person neben der Kundin saß. Aus Sorge vor einem möglichen Betrugsversuch oder einer Zwangssituation verständigten sie die Polizei.
Eine Stunde später erhielt Finst einen Anruf. Bei der Person im Haus der Kundin handelte es sich um ihren Sohn, der ihr bei der Kontoeröffnung geholfen hatte. Zunächst war er verärgert darüber, dass die Polizei bei seiner Mutter erschienen war.
Am nächsten Tag rief er jedoch erneut an, um sich zu entschuldigen und dem Team zu danken. Obwohl sich der Verdacht nicht bestätigt hatte, verstand er die Gründe für das Eingreifen.
In anderen Fällen, über die Julien berichtet, erweisen sich solche Verdachtsmomente leider tatsächlich als Betrugsversuche.
Wie Betrüger Vertrauen aufbauen
In der Sendung ist außerdem ein auf Cyberkriminalität und Kryptowährungen spezialisierter Rechtsanwalt zu Gast. Gemeinsam sprechen sie über falsche Finanzberater, betrügerische Investmentplattformen, Identitätsdiebstahl und sogenannte „Pig-Butchering“-Betrugsmaschen, bei denen Kriminelle schrittweise ein Vertrauensverhältnis zu ihren Opfern aufbauen.
Das Vorgehen ähnelt sich häufig. Opfer werden dazu gebracht, über eine gefälschte Plattform zu investieren. Auf ihren Konten werden Gewinne angezeigt, die in Wirklichkeit nicht existieren. Manchmal ermöglichen die Betrüger sogar die Auszahlung kleiner Beträge, um Vertrauen zu schaffen und die Opfer zu weiteren Investitionen zu bewegen.
Wenn die Betroffenen schließlich ihr gesamtes Geld abheben möchten, werden die Auszahlungen blockiert. Anschließend verlangen die Betrüger zusätzliche Zahlungen für angebliche Steuern oder Freigabegebühren. Da die Opfer bereits erhebliche Summen investiert haben, zahlen manche erneut in der Hoffnung, ihr Geld zurückzubekommen.
Diese Beispiele zeigen, wie wichtig es ist, die Identität seiner Ansprechpartner zu überprüfen und bei Versprechen außergewöhnlich hoher Renditen vorsichtig zu sein.
Kundenservice mit echten Menschen
Julien spricht auch über eine Entscheidung, die ihm besonders wichtig ist: den persönlichen Kundenservice beizubehalten. Bei Finst können Kunden das Team telefonisch, per Chat oder per E-Mail erreichen.
„Ich hasse Bots.“
Seine Haltung ist eindeutig. Wer einer Plattform sein Geld anvertraut, sollte bei Problemen mit einem echten Menschen sprechen können. Die Geschichte des vergessenen Smartphones zeigt, welchen Unterschied eine solche persönliche Betreuung machen kann.
Eine direkte Unternehmenskultur und besondere Vorsichtsmaßnahmen bei Teamreisen
Nach mehr als zehn Jahren in den Niederlanden wollte Julien bestimmte Aspekte der niederländischen Arbeitskultur bei Finst übernehmen. Das Unternehmen hat flache Hierarchien und fördert direkte Kommunikation. Jedes Teammitglied kann ihm offen sagen, dass es eine Entscheidung für falsch hält, unabhängig von seiner Position.
Gleichzeitig legt das Unternehmen großen Wert auf die Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs. Das gilt sogar für die Organisation des jährlichen Skiurlaubs.
Am Abend vor der ersten Reise bemerkte Julien, dass fast das gesamte Unternehmen mit demselben Flugzeug und anschließend mit demselben Kleinbus reisen sollte. Am nächsten Morgen entschied er, die Hälfte der Flugtickets umzubuchen.
Das Team wurde in zwei Gruppen aufgeteilt, die jeweils über die notwendigen Mitarbeiter und Kompetenzen verfügten, um den Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten. Dasselbe Prinzip galt für die Kleinbusse. Seitdem reist nicht mehr das gesamte Team gemeinsam in einem Flugzeug, Zug oder Fahrzeug.
Eine ungewöhnliche Vorsichtsmaßnahme, hinter der eine praktische Frage steht: Wie könnte Finst den Betrieb fortsetzen, wenn mehrere Teammitglieder von einem Unfall betroffen wären?
Europäische Ambitionen über Krypto hinaus
Gegen Ende des Interviews spricht Julien über seine langfristige Vision. Er möchte eine europäische Investmentplattform aufbauen, die verschiedene Anlageklassen anbietet. Die Grundlage sollen dieselben Prinzipien sein, die bereits bei der Gründung von Finst eine wichtige Rolle spielten: niedrige Gebühren, Transparenz, Sicherheit und eine einfache Nutzererfahrung.
Sein Ziel ist es, eine glaubwürdige europäische Alternative zu den großen amerikanischen und asiatischen Finanzplattformen zu schaffen.
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Sieh dir das Interview mit Julien Vallet bei LEGEND Business an, um alle Geschichten zu hören und mehr darüber zu erfahren, was hinter den Kulissen von Finst passiert.
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